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Alle Hoffnung liegt auf Berlin. Und dass nicht nur auf der Deutsch-Pop-Schiene mit Newcomern wie „Wir sind Helden“ oder „2Raumwohnung“. Auch der Soul will frisch bleiben. Bestes Beispiel sind Sedoussa- Das Trio besteht aus dem Schlagzeuger Leon Schurz, dem Bassisten Chriz Falk und der Sängerin Celina Bostic.
Alle drei haben bereits in frühen Jahren ihre Instrumente gelernt. Bei dem einen mussten die schulischen Leistungen dem perfekten Gitarrenspiel weichen, bei dem anderen kam die Liebe zum Schlagzeug mit der Pubertät. Und Celina ging sogar den weiten Weg vom Klavier, über die Klarinette und Gitarre hin zum professionellen Gesang. Und dann fand man sich in einem Proberaum ein, spielte ein paar Coversongs ein. Schon war die Band gegründet. Nach dem sie erfolgreich an einem Kontaktstudiengang für Musikern teilgenommen haben und nun bei Four Music unter Vertrag sind, erschien Ende Juli ihr Debüt-Album.
Im Gespräch mit Linda Könnecke erzählten Celina, Chriz und Leon von musikalischen Zufällen, den Einfluss der Eltern und ihrer Meinung über Musikstudiengänge.
 Linda: Was mir als erstes an eurem Debütalbum aufgefallen ist – ihr seid sehr vielfältig in der Ausrichtung. Die ersten schnelleren Songs sind sehr Hiphop-lastig. Dann kommen die etwas souligeren Nummern. Woran orientiert ihr euch beim Einspielen?
Celina: Bei den Aufnahmen haben wir uns nicht konkret vorgenommen, dass die eine Hälfte eher Hiphop und die andere Hälfte Soul wird. Sed.: (Chriz) Es kam einfach als Musik aus dem Herzen und wir haben gekuckt, was wie klingen muss. Und dann ist es so geworden, wie es jetzt auf dem Album ist.
Nach dem Motto „Was zum Text passt“? (Chriz) Nee, so ein Song entsteht oft als Ganzes. Bei einer Ballade ist nicht zuerst die Musik da und dann der Text, sondern das entsteht in einem Guss. Und dann überlegt man sich ob man es akustisch lässt, mit Streichern oder als Soul-Ballade, bei der ein leichter Beat hinterher plätschert. Das ist von Song zu Song ganz unterschiedlich. Habt ihr denn musikalische Vorbilder dafür? (Celina) Ja, wen gibt es denn da… N.E.R.D. zum Beispiel. Wir haben ja auch ein Live-Schlagzeug bei den Aufnahmen verwendet.
(Chriz) Als wir die Platte aufgenommen haben, war Justin gerade so eine Neuentdeckung. Die Neptunes eben. Es gibt aber auch die alten Vorbilder, die man hört. Stevie ist eine ganz große Liebe und Donny Hathaway. Was die Neptunes angeht, ist mir die Ähnlichkeit bei dem Song „Zicken“ auch aufgefallen. Gerade im Vergleich zum ersten Album von N.E.R.D. War das Absicht? (Celina) Das war überhaupt nicht gewollt.
(Chriz) Wir wollten einen Song, zu dem man richtig abgehen kann. Wenn du dann selbst schreibst, bist du schon mal inspiriert von dem einen oder anderen. Aber da war es eigentlich eher ein Unfall gewesen. Wir haben völlig im Wahn gemacht und gemacht, alles aufeinander geschraubt und dann festgestellt: „Hey, das kommt mir irgendwie bekannt vor.“ Celina, ich habe gelesen, das dein Vater Jazz-Bassist ist. Hat er dich darin beeinflusst, dass du jetzt Sängerin bist, oder hat er dir geraten, lieber die Finger davon zu lassen, weil man damit kein Geld verdient?
(Celina) Beides. Er hat mir die Musikalität in die Wiege gelegt. Aber eigentlich wollte ich als Kind nie was mit Musik zu tun haben, hatte an Weihnachten und Geburtstagen nie Lust drauf. Und dann ist es doch so gekommen. Meine Eltern haben mich dabei immer unterstützt. Zwar fragten sie schon, ob ich nicht lieber studieren will. Aber sie sagten niemals: „Mach das auf keinen Fall.“ Mein Papa hat mich schon gewarnt, weil es nicht einfach ist. Aber ich bin ja auch in einem anderen Business als er. Ich habe meine eigene Band, einen Plattenvertrag und fahre außerdem in der Popschiene. Er macht alles für sich selbst und hat einen ganz anderen Status.Hat er dich auch musikalisch beeinflusst? Ich frage ganz konkret, weil ich letzte Woche ein Interview mit den Volksmusikern Marianne und Michael gesehen habe. Die erzählten, dass ihre zwei Söhne überhaupt nichts mit Volksmusik am Hut haben und selbst Heavy Metal bzw. Hiphop machen. Und sie meinten dann zum Schluss, dass das immer so mit Kindern von Musikern sei. (Celina) Ich bin jetzt weniger von meinen Eltern beeinflusst. Natürlich ist Jazz ein Teil von Soul und Soul ist teilweise aus Jazz entstanden. Aber ich bin jetzt nicht so der Jazz-Freak. Ich bin dann eher in die Hiphop-Richtung aufgegangen. Aber es ist jetzt nicht total fernab.
(Chriz) Also, musikalisch hatte ich eigentlich nie so eine Protesthaltung gegen meine Eltern. Meine Mutter steht auf Akkordeon – das wollte ich nicht unbedingt lernen. Mein Vater gehört zur Beatles und Stones-Generation. Das mag ich auch. Aber wie du siehst, mache ich jetzt ganz andere Musik. Richtig. Und man sollte gerade bei euch auch auf die Texte achten. Egal ob die Kampfansage gegen neidische Frauen in „Zicken“, bei Überflieger oder „Halt mich“ da steckt viel Menschenbeobachtung drin. Zählt ihr euch zu den Personen, die sehr aufmerksam durch den Alltag laufen und jedes Detail aufsaugen? (Chriz) Das klingt sehr bewusst was du sagst. Ich denke, es ist weitaus unbewusster. Jeder beobachtet ein bisschen und das findet dann irgendwie seinen Weg in den Song. „Zicken“ war halt ein Thema, das konkret aufgeregt hat.
(Celina) Ich bin jetzt nicht die Texterin, die rumgeht und sich denkt „Ach, da könnte ich mal ein Lied drüber schreiben“. Das ist dann ein Anliegen von mir, das raus muss, weil es gar nicht anders geht. Außer wenn man vielleicht für andere Leute schreibt und die ein bestimmtes Thema vorgeben, mit dem man sich dann auseinandersetzten muss. Aber wenn man für sich selbst schreibt, sind es immer Dinge, die einen aufregen oder emotional bewegen. Wie äußert sich dann diese Emotionalität im Nachhinein beim Singen zum Beispiel bei „Monster im Schrank“?
(Celina) Anfänglich schon aber später gewinnt man Distanz dazu.
(Chriz) Das hängt auch vom Moment ab. Einmal haben wir es spontan mit Cello und Violine auf der Bühne gespielt, weil das Publikum es so verlangte. Und das war dann voller Gefühl. Hat es euch beim Texte-Schreiben geholfen, dass ihr den Kontaktstudiengang besucht habt? (Leon) Ich glaube nicht, dass wir da gelernt habe, bessere Musik zu produzieren. Es ging mehr um die Vorstellung, was wir mit der Band erreichen wollen und wie wir es konkretisieren. Man hat Leute kennen gelernt und Fragen gestellt bekommen, was man mit seinem Leben will. In der Hinsicht hat es uns viel gebracht.
(Chriz) Man musste sich einfach bewusst machen, wo die Stärken liegen und dann darauf bauen.Welche Inhalte hatte der Studiengang noch? Und wie lange dauerte er? (Chriz) Insgesamt sechs Wochen, also zwei Mal drei Wochen. Du hattest Theorie und Einzelunterricht am Instrument. Dann gab es noch Workshops und Seminare, bei denen Gastdozenten wie Smudo über ihre Ansicht von dem Musikgeschäft erzählt haben. Du konntest natürlich auch BWL und Rechtssachen lernen. Aber das Wesentliche bleibt eben, dass am Nachmittag die Proberäume offen sind und dass man sich unter den Leuten die da sind, eine Band sucht und gegenseitig die Songs einstudiert. Es war wie eine Art Spielplatz für Musiker.
(Leon) Wir hatten das Glück, das wir einen guten Jahrgang hatten, wo alle zusammenpassten. Viele von denen sind jetzt auch immer noch unsere Freunde und wir machen viel zusammen. Deshalb heißt es ja auch Kontakt- und nicht Popular-Studiengang. Und was haltet ihr allgemein von Studiengängen, die sich für Musiker anbieten, zum Beispiel die Pop-Akademie in Mannheim? (Chriz) Die Pop-Akademie ist ja brandneu. Das hat es in Deutschland vorher nicht gegeben und man kann es deshalb auch nicht mit den anderen Studiengängen vergleichen. Ich war jetzt noch nicht da, und weiß nicht, was da abgeht. Aber der normale Jazz- oder Klassikstudiengang, den man belegen kann, ist doch sehr einseitig.
(Leon) Mein Standpunkt ist, dass viele Studiengänge, die mit Kunst zu tun haben, auf eine Schulebene gedrückt werden. Selbst Jazz und Klassik sind eigentlich lebendige Musikrichtungen, wollen gelebt werden. Und das habe an den Hochschulen bisher nicht gesehen.
(Chriz) Es bringt halt nichts wenn du den besten Song der Welt schreibst und dann durchfällst, weil du deine Tonleiter nicht spielen kannst. Das ist mir zu abstrakt, nicht greifbar. Ihr ward ja bereits vor dem Studiengang eine Band. Stimmt es dass ihr euch früher „Pool“ genannt habt? Warum habt ihr es dann in „Sedoussa“ geändert? (Chriz) Weil es eine Death Metal Band gab, die auch so heißt. Mit denen wollten wir uns nicht hauen.
(Leon) Wir sind außerdem aus dem Namen heraus gewachsen. „Pool“ war der Anfang von allem.
So phantasievoll es auch ist, steckt eine Bedeutung in dem Namen? (Leon) Nein, aber vielleicht sollten wir uns mal eine überlegen.
(Chriz) Ist doch ganz klar: den Inhalt vom Namen füllen wir einfach mit unserer Musik.
Und wie sieht es mit der Musik anderer Künstler aus? Was habt ihr euch selbst als letztes Album gekauft? (Celina) Die neue Moabeat-Scheibe. Und Terror-Squad.
(Chriz) Meine letzte Platte war mit unveröffentlichten Tracks von Donny Hathaway. Und von James Taylor – dem „Gitarren-Mann“.
(Leon) Ich glaube, etwas Altes von Donny oder Stevie. Eher Oldschool. Von Stevie soll demnächst ein neues Album erscheinen. Mit neuen Tracks, nichts remastered oder neu eingesungen von jungen Künstlern. (Leon) Da bin ich aber gespannt.
SoulSite.de bedankt sich für das interessante Interview. Viel Erfolg weiterhin!
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