|
Die Band Cultured Pearls kennt jeder durch Hits wie „Sugar Sugar Honey“ oder „Tic Toc“. Doch seit Anfang des Jahres hört man kaum etwas. Das hat auch einen guten Grund. Sängerin Astrid legte eine Babypause ein. Diese nutzte vor allem Schlagzeuger Bela für ein ganz neues Projekt: Die „Soulounge“.
Basis ist eine feste Rhythmus-Gruppe, bestehend aus Sven Bünger (Gitarre), Kai Fischer (Keyboards), Susanne Vogel (Bass) und eben Bela Brauckmann (Drums). Diese vier Musiker laden sich für ihre Konzerte immer wechselnde Sänger ein, um „frische Musik“ zu garantieren. Bei den ersten Auftritten in Hamburg und Berlin spielten sie Coverversionen von Soul-Klassikern aber auch weniger bekannten Stücken. Allerdings in völlig neuer Interpretation.
Einige der Live-Einspielungen verwendeten sie für ihr erstes selbstbetiteltes Album, das nicht nur von den Konzert-Fans begeistert aufgenommen wurde. Nach dem Debüt verließen Soulounge den Major Warner Music und gründeten das eigene Label „Soulounge Records“. Dort ist am 20. September das zweite Album „Home“ erschienen (Kritik lesen). Weitere Aufnahmen von Solokünstlern wie Roger Cicero sollen folgen. Bis dahin wird aber erstmal fleißig das aktuelle Album auf einer großen Tour promotet.
Linda traf sich mit Bela von der Soulounge. Sie unterhielten sich über das Konzept des neuen Albums, berühmte Gast-Musiker und das deutsche Problem mit Coversongs.
 Linda & Bela von Soulounge Linda: Für das erste Album habt ihr ja Live-Aufnahmen von den Konzerten verwendet und mit den Studio-Einspielungen verknüpft. Seid ihr bei „Home“ ähnlich vorgegangen? Bela: Nein, bei „Home“ wollten wir ein wenig vom Konzept weg. Nach der langen Tour zum ersten Album merkten wir, dass sich gerade die Coversongs nach einer Weile „ausnudeln“. Also haben wir uns in Dänemark ein Ferienhaus gemietet, um selbst Songs zu schreiben. Dort hatten wir dann so einen guten Flow, dass ein ganzes Album bei rauskam.Als ihr in Dänemark aufgenommen habt, was war das für ein Gefühl? Wo liegt der Unterschied zur Arbeit im kalten Studio.
Für uns war es eine magische Woche. Es war Winter, wir haben immer nur auf das Meer gekuckt und nur Musik gemacht. Am Ende hatten wir 27 Songs zusammen. Nicht nur bei euren Konzerten auch auf dem „Home“-Album ist die Liste der Gastmusiker- und Sänger sehr lang. Habt ihr denn selbst noch den Überblick, wer alles dabei war? Doch schon. Es war aber schon lustig, als die endlich fertig war. Wir wollten jedem eine schicken, weil sich ja jeder Musiker gerne ein Belegexemplar hat. Und da war es dann schon etwas anstrengend, eine Liste zusammenzustellen, wem wir alles eine CD schicken.
Wonach wählt ihr prinzipiell die Gastsänger aus – kommen die aus dem Bekanntenkreis oder melden sich die Leute von alleine bei euch? Das ist eine Mischung. Anfangs haben wir nur zum Spaß ein paar befreundete Musikern eingeladen, die mit uns ein, zwei Konzerte in Hamburg in Berlin spielen. Dann erweiterte sich der Kreis. Leute sagten uns, sie würden gerne mal bei uns singen. Aber wir haben da keine Audition für Sänger. Es passt entweder oder nicht. Es gibt auch Sänger, die toll sind, die aber gerade nicht bereit sind und andere Sachen im Kopf haben. Gab es auch schon Leute, die gerne zu euch kommen wollten, denen ihr aber abgesagt habt? Ja, es gibt ja manchmal so ein Phänomen, dass Leute besonders hartnäckig sind und dann gar nicht unbedingt so gut sind. In solche unglücklichen Fälle hatten wir auch schon. Aber wir können vom Vornherein schon abschätzen, wer zu uns passt.Bei dem ersten Album gab es nur die Cover-Aufnahmen Wie viele finden sich denn auf dem neuen Album? Es sind vier Stück. Die Bob Marley-Nummer „Waiting In Vain“, „L Is Gone“ von Musiq und „Everyday“.... Von wem ist das? Da vergesse ich den Namen auch immer. Aber das ist das Problem bei Coverversionen in Deutschland. Du fällst dann immer gleich in die Schublade von Bands, die nur „Ain´t Nobody“ spielen. Wir spielen aber lieber spannende B-Seiten von bekannten Alben. ... und dann ist ja noch „How Come You Don´t Call Me“ von Prince. Mir ist bei euren Covers außerdem aufgefallen, dass ihr nicht nur alte Songs aus den 70er spielt, sondern auch neue Künstler wie eben Musiq covert. Wir sehen es rein musikalisch. Alicia Keys ersten Hit spielen wir genauso, weil wir ihn großartig finden. In Deutschland hast du einfach das Problem, dass man als Sänger oder Musiker alles selbst geschrieben und produziert haben musst. Es geht um die eigene Interpretation der Songs im Live-Spiel. Kommt man beim Covern von relativ neuen Songs nicht in die Gefahr, als schlechte Kopierer abgestempelt zu werden?
Das ist eine Frage des Ansatzes. Du kannst versuchen, jeden Schlenker des Sängers genau nachzuspielen, oder machst deine eigene Version davon – egal ob alter oder euer Song. Wenn ich das ursprüngliche Arrangement hören will, lege ich lieber die Original-CD davon ein.
Was für ein Gefühl war es eigentlich, beim legendären Montreaux-Festival auftreten zu dürfen?
Großartig. Vor allem, weil ich es selbst in Angriff genommen habe. Ich hatte Claude Pops persönlich, der das ganze organisiert, einfach einen Brief mit CD geschickt. Und schon sollten wir vorbeikommen. Nächstes Jahr werden wir wohl auch wieder dabei sein. Jetzt im November haben wir auch die große Ehre, beim Aalener Jazz-Fest zu spielen. Dorthin nehmen wir als Sänger auch Lamont Dozier mit – den „Motown-Mann“.
Wie ich gelesen habe, ward ihr auch schon mal mit Stefan Gwildis auf der Bühne. Sein Konzept ist es ja nicht nur, Covers zu singen. Sondern die Klassiker auf deutsch zu Texten. Was haltet ihr davon?
Die Idee, Covers in Deutsch zu vertonen, ist nicht ganz neu. Aber die Texte, die er dazu schreibt, sind eben schon mit mehr Anspruch. Vor allem begeistert dieser Mann einfach mit seiner Präsenz auf der Bühne.
Weißt du denn, ob bei ihm gerade etwas in Planung ist?
Er sitzt gerade an den Aufnahmen für sein nächstes Album. Damit wird er dann bestimmt auch wieder auf Tour gehen.
Ähnlich wie auch die Soulounge mit ihren diversen Gastsängern, die derzeit durch die großen und kleinen Clubs in Deutschland. Und wen es beim kalten Wetter nicht aus dem Wohnzimmer treibt, der legt einfach „Home“ ein und lässt sich vom warmen Sound verwöhnen.
=> Ein Insider-Tipp: Den Titel „Your Baby“ haben Soulounge zusammen mit Stephanie McKay bei einem Besuch in New York geschrieben. Später wurde er in Deutschland von Ester Cowens eingesungen.
hoch |
|