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Als absolute Großstadthymne wird er oft verstanden. Dabei dreht es bei dem Hit „Big City Life“ des Londoner Duos Mattafix um mehr als nur Straßenhektik, eben auch soziale Unterdrückung und kulturelle Differenzen. Marlon Roudette und Preteesh Hirji haben sich vor zwei Jahren kennen gelernt und ihre musikalischen Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede entdeckt. Beide Aspekte haben sie nun auf ihrem Debütalbum „Signs Of A Struggle“ (VÖ: 18.11.05) umgesetzt, das bei Virgin Records erschienen ist. Linda Könnecke von SoulSite.de sprach mit Sänger Marlon über Geldprobleme, soziale Verantwortung und dem aktuellen Trend karibischer Klänge
Linda: Euer Debütalbum klingt nach einer guten Mischung aus Soul, Blues, Ragga und Banghra – was in Großbritannien sehr üblich ist. Warum glaubst du, dass euer Stil auch im Rest Europas erfolgreich sein wird? Marlon: In Italien haben wir sogar Platz Eins erreicht. Aber ganz ehrlich: Damit haben wir nicht gerechnet. Ich bin ja auch kein Vorhersager, weiß auch nicht, worin unser Geheimnis liegt. Wir sind einfach absolut „original“. dass macht wohl unseren weiteren Erfolg aus.Eure Songs klingen alle sehr melancholisch und verbreiten traurige Stimmung. Das kann schon sein. Wir sind damals harte Zeiten durchgegangen, als wir das Album aufgenommen haben. Kein Auto, kein Geld - das spiegelt sich auch schnell in den Liedern wieder. Aber es gibt auch weniger persönliche Tracks wie „Clear And Present Danger“. Als die britische Armee damals im Nahost einmarschiert ist, hat mich das sehr beschäftigt. Und das kam dann auch in einigen Songtexten vor. Wie sieht es aus mit Themen, die nicht rein persönlich sind, sondern in der gesamten Welt vor sich gehen. Was bewegt dich außerdem?
Momentan sind es auch die Straßenkämpfe der Jugend in Frankreich. Aber eigentlich doch noch mehr der Konflikt im Nahost. Ich denke, die Politiker haben nicht schnell genug reagiert und auch vergessen, was es heißt, jung zu sein. Man sollte einfach mal beachten, dass es Situationen gibt, in denen keiner falsch liegt, man aber trotzdem etwas verändern muss. Steht dann die Musik von „Mattafix“ (dt: Angelegenheit gelöst) als Heilmittel oder Lösung für viele Probleme? Irgendwie schon. Es kamen schon Leute auf mich zu, die sagten meine Texte, unsere Musik hätten ihnen geholfen, mit Schwierigkeiten besser umzugehen. Ich habe mit dem Album nie beabsichtigt, etwas zu bewirken, aber als Künstler hast du einfach einen gewissen Einfluss auf andere Menschen. Da musst du dir stets bewusst sein, welche Verantwortung du in deinem Job übernimmst. Nimmst du dir für das nächste Album vor, verantwortungsvoller zu sein? Nein, auf keine Fall. Ich schreibe Songs nicht extra für andere, sondern nur das, was mich persönlich in diesem Moment bewegt. So wie eben bei „Clear And Present Danger“, mein erster Song, auf den ich wirklich stolz bin.Als letzte Frage habe ich eine kleine Aufgabe für dich. Ich lese dir die aktuelle Top10 der Deutschen Black-Charts dieser Woche (DBC auf SoulSite) vor. Du nennst mir den Song, der am ehesten deinen Geschmack trifft. Wow, ihr steht wohl voll auf die Amis. Also ich wähle Kanye West „Gold Digger“. Er ist ein unglaublich guter Produzent und Jamie Foxx ein herausragender Künstler. Oft ist es doch aber so, dass viele Produzenten klasse Songs für andere Künstler entwickeln. Wenn sie dann eigene Stücke rausbringen, sind diese oft nicht so kreativ wie bei den Fremdproduktion. Woran liegt das?
Als Künstler, der viel für andere arbeitet, ist es schwer, seine eigene Richtung zu finden, musikalisch und lyrisch. Ich denke, daran liegt bei vielen die Schwierigkeit der eigenen Kreativität.
Die Charts zeigen ja, dass moderne, karibische Klänge momentan echt im Trend sind. Woran das liegt? Die Leute sind einfach sehr kreativ, ihre Kultur hat viele Einflüsse, die sich in der Musik widerspiegelt. Es sind es nicht immer nur die fröhlichen Partysongs, die reißen. Künstler wie Dennis Brown oder Jimmy Cliff haben stets soziale oder politische Aspekte in ihre Songs eingebracht und sich mit den Schwierigkeiten, dort zu leben, beschäftigt.
Eben jene kulturelle Eigenheit findet sich auch in den Songs von Mattafix wieder, wie der Albumtitel unschwer erkennen lässt. Der Mainstream ist solche Ehrlichkeit nicht immer genehm, anspruchsvolle Musikkenner wissen so etwas jedoch zu schätzen. Wir wünschendem Duo weiterhin viel Erfolg!
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