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Angefangen hat alles mit der Gitarre ihres Vaters, auf der sie probeweise mal rumklimperte. Es folgten erste Engagements in der Band von Jule Neigel und der eigenen A-Capella-Gruppe. Im Weiteren heiratet sie den US-Schaupieler Noah York, die gemeinsame Tochter kommt 1992 auf die Welt. Fünf Jahre später kommt die Trennung vom Ehemann wie auch die Entscheidung, künftig solo auf Tour zu gehen. 2006 hat Christina Lux ihr erstes komplett eigenes Studioalbum „Coming Home At Last“ veröffentlicht. Kurz vor dem Konzertabend in Gochsheim traf sie SoulSite-Redakteurin Linda Könnecke und erzählte von ihren Erfahrungen als Solo-Künstlerin, ihren Botschaften und dem Problem deutsch zu sein.
Linda: „Coming Home“ ist dein erstes komplettes Studioalbum. Wo lag der Unterschied zu den Vorgänger-CDs? Christina: Bei den ersten Alben habe ich teilweise nur auf meinem MD die Konzerte aufgenommen und weiter bearbeitet. Aber jetzt wollte ich endlich eine komplette Studio-CD machen. Mit Klaus hatte ich bereits beide Vocaleros-Alben und meine zweite Platte „Little Luxuries“ sowie den Mix für „Pure Love“ aufgenommen.In deinem Song „Arms Wide Open“ singst du „despite my wounded german roots“. Welche Wurzeln sprichst du an? Die Wurzeln meiner deutschen Vergangenheit. Die Frage stellte sich, ob auch ich unter gewissen Umständen ein Rassist werden könnte, wenn ich z.B. Angst um meine Familie hätte. Kann man dann noch klar denken und lässt sich nicht hinreißen von Propaganda? Wieviel Mut hätte man aufzubegehren gegen ein System das begänne einzelne Gruppen zu diskriminieren? Es steckt die Hoffnung dahinter, mit einer Geschichte wie der deutschen einfach wacher zu sein, damit so etwas nie wieder passieren kann. Es geht darum nicht die Augen zu verschließen und dennoch weich zu bleiben und nicht zu verbittern. Und welchen Hintergrund hat der Song „Abuse“? In „Abuse“ steckt ein Teil meiner eigenen Geschichte. Das Thema Missbrauch wird vermeintlich vielerorts thematisiert, dennoch gibt es unendliche viele Fälle in denen nicht darüber gesprochen wird oder in Familien Schweigetabus bestehen. Ich hoffe, durch das Aussprechen vielleicht den, den es betrifft zu ermutigen sich an Menschen zu wenden, die helfen können. So kam mein eigener Schmerz in Bewegung, um ein Stück Heilung zu erfahren. Bei Konzerten rutschen Menschen oft unruhig auf dem Stuhl hin und her, weil es ein heftiges Thema ist. Aber da müssen sie und ich durch. Nur durch Wachheit kann man etwas verändern. Du hast früher in Bands gespielt, bist aber seit sechs Jahren meistens solo unterwegs. Was ist der Vorteil allein auf der Bühne zu stehen? Die meisten Konzerte spiele ich solo, weil die venues oft klein sind. Ich lebe von meinen Konzerten, buche alles selbst und mache meine Technik selbst. Früher hatte ich eine Band, die mit meinen eigenen Songs nicht wirklich klar kam.
1996 durfte ich mit der Rhythmusgruppe von „Keziah Jones“ in London ein paar Songs aufnehmen. Als ich anfing den Song „Free“ zu spielen ist die Band ohne Worte wunderbar in den Groove eingestiegen. Das war wie eine Initialzündung. Ich wusste plötzlich, dass ich endlich verstanden werde. Und ich begriff, dass meine Band daheim einfach anders fühlt und ich mich neu orientieren muss. Du bist recht früh zur Musik gekommen. Wenn du zurück blickst, inwiefern hat sich dein Gitarrenspiel verändert? Es hat lange gedauert, bis ich gewagt habe, mich wirklich als Gitarristin zu bezeichnen. Mein Stil hat sich durch das Songschreiben langsam entwickelt. Erst durch Komplimente von anderen Gitarristen habe ich ihn selbst schätzen gelernt und zum „Funky Folk“ mit „Acoustic Soul“ und Ausflügen in den Jazz ausgearbeitet.
Ich mag die Tradition der amerikanischen storyteller. Bei uns gibt es Liedermacher, aber dafür ist meine Musik zu „soulful“. Ich mag es, wenn ein Musiker mich an seinen Gedanken teilhaben lässt, die weit über Liebeslieder hinausgehen und hoffe, dass das auch das ist, was bei den Menschen bei meiner Musik ankommt.Deine Texte scheinen dir sehr am Herzen zu liegen. Die Texte sind der Motor, das Kernstück. Ohne diese Gedanken würde ich keine Songs schreiben. Musik ist nur das Tool um den Kopf und das Herz zusammen zu bringen. In letzter Zeit kommen immer mehr deutsche Texte in meinen Bauch und wollen raus. Englisch ist mir durch meine halbamerikanische Tochter sehr nahe und dennoch spüre ich in letzter Zeit, wie sich ein Teil von mir ein wenig hinter der Sprache verborgen hat. International hat mir das bestimmt geholfen. Das hätte ich vielleicht mit deutschen Texten nicht bekommen. Vielleicht aber auch doch.
Wir werden die CD auch noch in England promoten, leider gab es da einige Bedenken von den Briten. Offensichtlich herrschen dort weiterhin Vorbehalte. Ich fände es schön, zeigen zu können, dass aus Deutschland mehr kommt als seichte Popmusik oder Rammstein, die mit dem Klischee des kantigen, bösen Deutschen Erfolg im Ausland haben. Deshalb ist es gut, dass die deutschen Zeilen auf der Platte sind und es wird mehr davon kommen. Nach den Erfolgen mit unterschiedlichen Bands wie auch als Solo-Künstlerin – wovon träumst du noch für die Zukunft? Da denke ich recht pragmatisch. Ich wünsche mir, dass ich weiterhin die künstlerischen Freiheiten wie heute habe und vor allem mich und meine Familie von der Musik ernähren kann. Ach ja – der erste Grammy darf durchaus auch noch kommen.
Bei der Erreichung dieses Ziels wünschen wir Christina Lux viel Erfolg und bedanken uns bei Ihr für das Interview.
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