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Als Mittzwanzigerin hat Tayo bereits soviel Bühnenerfahrung wie sonst nur die ganz Großen. Das hat sie mitunter ihrem Vater Hope zu verdanken, der sie schon als Kind mit auf die Bühne nahm. Nach dem Studium und etlichen Solo-Auftritten in Karlsruhe zog es Tayo vor zwei Jahren in die Hauptstadt. Für ein kurzes Resümee der bisherigen Erfolge hat sich SoulSite-Redakteurin Linda Könnecke jetzt mit ihrer alten Studienkollegin getroffen.
Linda: Wie läuft es bisher in deiner neuen Heimat? Tayo: Sehr gut. Ich habe bei einigen Gospel-Projekten mitgemacht, in Jazzformationen mitgewirkt, als Synchronsängerin gearbeitet und bin auch als Gastsängerin in anderen Bands aufgetreten. Und mit einigen anderen Musikern habe ich sogar schon meine erste Band gegründet – Tayo und die Soul Knights.War es schwer, die ersten Kontakte zu bekommen? Ich bin da schon auf Risiko hingegangen. Aber nach einer Weile weiß man dann schon, wo die hot spots sind und Leute spielen eben das „A-Train“, das „Quasimodo“ oder auch das „Unique“ (ehemaliges „Soultrain“). Da treffen sich die Musiker und so habe ich auch Rudy Stevenson kennen gelernt, mit dem ich jetzt zusammen arbeite. Berlin ist eine Großstadt, aber die Musikszene ist doch sehr überschaubar. Du sagst, die Kultur deiner Eltern hat dich beeinflusst. Inwiefern? Meine Mutter gehört der Minderheit der Sinti an. Und deren Musik ist sehr breit gefächert. Da findet man viele Einflüsse aus verschiedenen Richtungen dieser Welt oder umgekehrt deren Einfluss auf andere Stile. Dadurch dass die Sinti ursprünglich aus Indien stammen und dann nach Europa gekommen sind, hast du viele arabische Elemente, aber eben auch Jazz mit drin. Daher kommt auch die starke Affinität unserer Leute zum Soul, weil einfach die Ähnlichkeit zur traditionellen Musik besteht. Ab wann warst du dir bewusst, dass du anders bist, eben auf die Herkunft deiner Mutter bezogen? Ab dem Zeitpunkt, als ich es realisieren konnte. Ich bin zweisprachig aufgewachsen –mit meiner Mutter spreche ich Romanes, mit meinem Vater Deutsch und Englisch. Da habe ich gemerkt, dass es mehr ist als die Sprache.
Meine Eltern haben mir recht früh erklärt, was meine Identität und meine Geschichte sind, auch in der Form, dass ich etwas Besonderes bin. Ich bin auch öfters gefragt worden, welcher Gruppe ich mich mehr zugehörig fühle, ob jetzt den Sinti oder den Afrikanern. Das ist bei mir gleichwertig. Und was bringst du mit den„Knights“ auf die Bühne? In den Berliner Szeneclubs machen wir Soulmusik, meist up to date, aber weil es Liebhaber des Oldschool sind, viele ältere Cover-Songs aus den 70ern. Obwohl unsere Besetzung sehr wechselnd ist. Manchmal habe ich auch Backgroundsängerinnen, die mich unterstützen.Du bist aber auch mit anderen Künstlern live unterwegs. Mit Rudy Stevenson und seiner Band trete ich sehr oft auf. Er ist ein toller Gitarrist, der schon über 80 Jahre alt ist und die Bühne rockt als wäre er 20. Ansonsten arbeite ich noch mit Ferenc Snétberger zusammen. Er ist auch Gitarrist, aber aus einer etwas anderen Richtung, eher Jazz. Ursprünglich kommt er aus Ungarn, gehört aber der Minderheit der Roma an und macht Jazz wie auch klassische Gitarrenmusik.
Tja und aktuell produziere ich mit Loomis Green zusammen neue, eigene Tracks. Zwei Songs sind schon fertig im Stile von NeoSoul und R&B. In Zukunft wollen wir auch weiter zusammen arbeiten. Mit Ferenc hast du ja auch für den Anime-Film gearbeitet. Ja, für einen Song, der auch auf dem Soundtrack gelandet ist. Den hatten wir damals direkt in Japan in einem Studio von Warner Bros. aufgenommen. Es ist der Titelsong zu diesem Film „The Full Metal Alchemist“, der nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene gemacht ist.
Darin geht es um einen japanischen Jungen, der eine Zeitreise in die Vergangenheit (Zweiter Weltkrieg) macht, direkt in Ungarn landet und dort ein Sinti-Mädchen trifft. Mein Lied ist auch auf Romes gesungen, weil es den Leuten wichtig war, dass Sprache und Text zu der Filmszene passen. Wie war dein Eindruck von der japanischen Musikszene? Was mich gewundert hat, ist dass in vielen Cafes und Bars klassische Jazz-Musik gespielt wird. Die lieben einfach alles, was aus dem Westen kommt und ahmen es nach. Sie scheinen zwar auf den ersten Blick in ihren Gestiken und Mimiken emotionslos, aber später im tieferen Gespräch, lernt man sie wirklich kennen mit all ihren Ängsten und Freuden. Und wie geht es jetzt weiter - willst du dich auf die Gigs beschränken oder auch ein Album aufnehmen? Ich habe schon eine starke Affinität zur Live-Musik. Für mich ist die Bühne auch erst mal wichtig, da bin ich pure Live-Tussi. Und jetzt bin ich dabei eigene Songs aufzunehmen, eben mit Loomis Green und mit Ferenc zusammen. Mit letzterem sind es viele Lieder auf Romanes, sehr jazzig. Bei Loomis dann nur Deutsch und Englisch. Da wird es nie langweilig, weil es für mich zwei Gegensätze sind. Und am Ende kommt ein gemischtes Album heraus, das mich widerspiegelt.
Wenn man Tayos Musik beschreiben wollte, dann nur so: eine coole Mischung aus Soul, Jazz & Funk mit der lieblichen Stimme von Miss Awosusi für Dinner-Abende ebenso wie bewegte Tanznächte. Einen ersten Ausblick auf ihr Können liefert die Website www.tayo-online.de
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