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Aus dem Norden der Republik, genauer gesagt aus Hamburg, kommt dieser Tage eine 9köpfige Formation mit ihrem Debütalbum an den Start. Die Positunes verstehen sich als Genre-übergreifende Band, die durch ihre zahlreichen Jam-Sessions und ihre Mitgliedern mit mehr als nur einer musikalischen Ideologie ausgestattet ist. Demnach sollte man gänzlich „open-minded“ an den Sound herangehen und auf etwaige Fusionen von Soul, Jazz, Funk und HipHop vorbereitet sein.
Grund genug, den sympathischen Hamburgern am Telefon einige wichtige Informationen über ihren Werdegang, ihre verschiedenen Prägungen und die Wichtigkeit der Live-Performance zu entlocken.
Marc: Am Besten stellt Ihr Euch erst mal vor und gebt kurz Auskunft darüber, wer denn alles in der Band mitmischt. POS: (SANNAH) Mein Name ist Sannah und ich bin Sängerin der Positunes. Mounir ist der Sänger der Gruppe und zumal mit zwei Stücken auf dem Album vertreten. Weiterhin gibt es da noch unseren Gitarristen Leo, auch bekannt als Leonard Mahlich. Dann ist da noch der Michael Pahlich, der an den Drums steht. Unser Bassist heißt Pierre Romain, ist aber momentan ausgewandert nach London und schaut gerade, ob er für uns zurück kommt oder nicht. Er ist auch der Bassist, der die ganze Platte eingespielt hat. DJ Zahn ist für die Cuts zuständig, von denen man auch einige auf dem Album zu hören bekommt aber auch bei jedem Auftritt. An den Keyboards stehen Simon und Noodt – wir nennen sie auch Sinoodt (lacht), weil sie in vielen Songs verschmelzen, da sie Beide was eingespielt haben – der eine Synthies und der andere Rhodes oder was auch immer. Beim Release-Gig werden sie auch Beide am Start sein. Ansonsten kann meistens nur einer von Beiden bei unserer Gigs dabei sein. Zu guter Letzt haben wir noch unseren Produzenten George, der viele Songs mitgeschrieben hat und auch auf der Bühne präsent sein wird. Sonst kümmert er sich um das Mischpult, so dass alles so klingt, wie wir das haben wollen. Seit wann besteht die Formation „Positunes“ und wie habt Ihr zusammengefunden? (SANNAH) Wir haben angefangen mit Robert, einem Zigeuner an der Gitarre, Pierre am Bass, Mounir und mir an den Mikrophonen und George hat Beatbox gemacht. So haben wir in ganz kleiner Besetzung angefangen. Robert an der Gitarre hat auch bei anderen Songs mitgewirkt und einige davon sind auch auf dem Album drauf. Ungefähr 1 Jahr haben wir dann kleinere Gigs gespielt. Bei einem Workshop an der Hamburger Musikhochschule habe ich Noodt und Leo kennengelernt. Über die kam es dann zu anderen Kontakten wie Michi Pahlich, der auch in Hamburg lebte, den ich aber vorher nicht kannte. Dadurch haben sich dann ganz neue Musikerkreise aufgetan, mit denen wir dann auch hier und mal zusammen gearbeitet haben. Einige sind auch auf dem Album vertreten. Es hat sich alles verdichtet und irgendwann ist dann Michi Pahlich mit George zusammen gezogen. Zumal wohnte Mounir in der selben Wohnung. Das Wohnzimmer diente uns des Öfteren als Proberaum. Im 3.Stock des Hauses befand sich das Studio und somit hat sich die fixe Besetzung in den vergangenen 2 Jahren die meiste Zeit dort aufgehalten und halbwegs dort gelebt (lacht). Eure Internetseite gibt preis, dass einige von Euch auch Solo unterwegs sind. (SANNAH) Die Sänger haben nebenbei noch andere Projekte am laufen, genauso wie die Musiker. Der Michi, unser Drummer, spielt auch noch bei einigen anderen Kombos wie Massoud Godemann Trio oder der St.Pauli Jazz-Kapelle. Ebenso sieht es bei Leo, unserem Gitarristen aus, an den ich Dich jetzt mal weiter reiche.
(LEO) Wir leben ja halbwegs von unserer Musik und somit bleibt es nicht aus, dass wir auch bei anderen Projekten und Bands zum Einsatz kommen. Ich spiele noch bei Flowin‘ Immo, einem Rapper aus Berlin. Michi macht, wie schon erwähnt, viel mit Jazz-Bands aber auch mit verschiedenen Pop-Acts. Aber Positunes ist auf jeden Fall unser Baby. Könnt Ihr noch ein wenig zu Euren musikalischem Werdegang erzählen? Seid Ihr alle schon von Kindheitstagen an mit Musik und Instrumenten in Berührung oder gab es da andere einschlägige Erlebnisse, die Euch den Weg zum Musiker gewiesen haben? (LEO) Ich, für meinen Teil, bin in einer Künstlerfamile aufgewachsen und habe seit meinem 4 Lebensjahr Instrumente gespielt. Mit 11 – 12 hat sich die Gitarre dann raus kristallisiert. Ich habe schon seit ich denken kann Musik gemacht. Als ich 18 war, bin ich für 3 Jahre nach Amerika gegangen und habe dort Musik studiert. Nach meiner Rückkehr hat sich die Szene und der Kreis der Leute, die man kennenlernte, stetig erweitert. Mit Anfang, Mitte 20 hat sich dann auch gezeigt, in welche Richtung man gehen will und dann erst hat man seine musikalischen Roots festgestellt und gemerkt, was das für welche sind. Dann hat sich das natürlich verfestigt. Ich, für meinen Teil, habe, wie gesagt, schon immer Musik gemacht und seit ich 13 war, stand fest, dass ich Musiker werden will.
(MOUNIR) Also ich, für meinen Teil, bin nicht in einer Künstlerfamilie groß geworden. Ich komme aus einer tunesischen Arbeiterfamilie, die zum Arbeiten nach Deutschland gekommen ist und somit war Kunst erstmal brotlose Beschäftigung. Die Musik kam eher zu mir, würde ich sagen. Ich kann mich dagegen einfach nicht wehren. Solange ich denken kann, mache ich Musik und musste schon immer irgendwie Lärm machen (lacht). Dadurch habe ich eigentlich autodidaktisch, seit ich ganz klein war, alles Mögliche benutzt um Lärm zu machen und bin dann über’s Trommeln, da ich als Araber natürlich auch Percussions spiele – auf irgendwelchen Hochzeiten trommelt man dann natürlich mal auf irgendwelchen Plastikeimern oder so rum (lacht) – über einen anderen Ansatz dazu gekommen. Irgendwann hat es sich dann für mich raus kristallisiert, dass ich Singen muss.
(SANNAH) Ich hatte das Glück gehabt, Eltern zu haben, die nicht auf Schlager- und Marschmusik standen, sondern mich seit frühster Kindheit mit Klassik bis Jazz über Gospel und Blues versorgt haben und ich kann mich noch erinnern, als 8jährige ABBA mit Nachbarn in einer Art Mini-Playback-Show performt zu haben. Mr war das anfangs nicht so bewusst. Für mich war es normal, dass ich einen Ton halten und die Sache nachsingen kann. Mir war es nicht bewusst, dass es nicht jeder kann, bis dann mal jemand gemeint hat, dass ich eine schöne Stimme hätte. Das hat mich total gewundert. Ich habe dann im Jugendtreff angefangen, Gitarre zu spielen und mit 13 – 14 habe ich meine ersten Songs mit 3 Akkorden geschrieben. Über einen Musikschullehrer bin ich dann einen Workshop verwiesen worden und habe dann jedes Jahr verschiedene Workshops bei uns auf dem Lande mitgemacht. So hat sich das dann irgendwie weiterentwickelt. Im Endeffekt war es schon so, dass es von meinen Eltern gut gefunden und gefordert wurde, aber nicht in dem Maß, dass man sagen könnte, es wäre eine Aussicht auf einen reelen Job. Deshalb musste ich zur Tarnung zweigleisig fahren. Ich studiere fleißig und versuche halt die Musik zu machen, habe aber, wie gesagt, auch mein Studium im Rücken, so dass meine Eltern abends ruhig schlafen können.  Wenn man sich Euer Album anhört, fällt einem direkt auf, dass Ihr Euch nicht auf ein bestimmtes Genre festlegt, sondern mehrere musikalische Einflüsse nach Außen tragt. War das schon anfangs so geplant oder ist dies durch die vielen verschiedenen musikalischen Prägungen eurerseits dabei heraus gekommen? (SANNAH) Das im Endeffekt dabei heraus gekommen, dass wir uns nicht auf ein Genre begrenzen. Es war aber nicht von Anfang an geplant gewesen, sondern einfach entstanden. Wir gingen nicht mit dem Anspruch heran, einen Song besonders nach Jazz klingen zu lassen oder einen anderen besonders nach HipHop.
(LEO) Das hat mit Sicherheit auch etwas damit zu tun, dass die Band aus so vielen verschiedenen Leuten aus verschiedenen Musikstile besteht. Dadurch entsteht immer ein wilder Clash aus Musik, wenn wir zusammen schreiben oder spielen. Deshalb bestehen verschiedene Songs aus völlig unterschiedlichen Inspirationen. Hauptsächlich wollte ich damit darauf hinaus, ob es ein bestimmtes Konzept zu dem Album gab oder ob es sich einfach beim Jammen so ergeben hat, wie es schlußendlich auf der Platte zu hören sein wird. Sannah hat das aber eigentlich gerade schon beantwortet... (LEO) Das Konzept hat sich im Eigentlichen aus den Jahren des Spielens ergeben. Es gibt ein ursprüngliches Konzept von Sannah und George, den Gründern dieser Band. Sicherlich gab es mal ein Konzept im Kopf. Wir haben angefangen mit kleineren Parties im Waagenbau (Club in Hamburg, Anm.d.Verf.). Deutschen Soul zu machen, war schon immer ein Ansatz von der Band gewesen. Im Endeffekt haben wir aber gespielt, Sannah hat mit Noodt geschrieben, Robert oder wir haben zusammen geschrieben. Dann schrieben wir mit Mounir wieder neue Lieder und dadurch entstehen immer wieder wilde Verbindungen aus Leuten. Es entsteht eigentlich mehr aus dem Affekt, dass wir es machen. Ohne das wir es vorher auf dem Reisbrett geplant hätten. Dann nimmt man halt aus 10 Liedern nur 8, da 2 da nicht unbedingt rein passen. So entsteht das. Habt Ihr ein bestimmtes Ziel, wo Ihr mit Eurer Musik hinwollt? (LEO) Das Ziel ist es auf jeden Fall, dass wir von der Musik, die wir machen und lieben, leben können. Und natürlich, dass wir von uns überzeugt sind, dass wir der derbste Shit sind. Natürlich wollen wir an den Start. Jede Band will logischerweise nach oben. Wir wollen möglichst viele Leute mit unserer Musik erreichen, das ist klar. Das Ziel ist jedoch, dass wir machen können, was wir lieben. Im Endeffekt werden wir auch weitermachen, wenn sich die Platte nicht gut verkauft. Wir machen es, weil wir es machen müssen. Weil wir die Musik lieben. Es ist jetzt nicht so, dass wir es machen, weil wir eine bestimmte Masse an Leuten oder eine Zielgruppe erreichen wollen. Wir freuen uns, ob unsere Musik nun von 10 oder 8000 gehört wird. Die Hauptsache ist, dass sie einen berührt. Was wir machen ist ehrlich und in der Platte stecken 2 – 3 Jahre Schweiß, Blut und Tränen drin. Wir wollen die Leute erreichen aber im Eigentlichen haben wir keine Zielgruppe. Die Zielgruppe wird immer von Außen an uns ran getragen. Uns ist das eigentlich gar nicht so bewusst. Da das Album leider noch nicht bei mir angekommen ist, so habe ich mich gefragt, welche Aussagen Ihr auf Euren Songs textlich vermittelt? Was gebt Ihr den Hörern mit auf den Weg – politische Statements, Gefühlswelten? (MOUNIR) Politisch ist es nicht direkt. Ich spreche da jetzt erstmal für mich. Mir es wichtig, dass die Menschen das fühlen, was ich grade schreiben möchte. Dementsprechend habe ich mich auch entschieden, auf Deutsch zu schreiben, da das die Sprache ist, die die Menschen in diesem Land am Besten verstehen. Weiterhin war es mir sehr wichtig, dass das Lebensgefühl, welches ich beschreibe, den Leuten hier bekannt ist. Grundsätzlich geht es mir dann nicht nur darum, deutsche Wörter zu nutzen, da deutscher Soul jetzt besonders cool ist, sondern auch hauptsächlich darum, deutsche Inhalte zu vermitteln. Es macht für mich jetzt keinen großen Sinn, da jetzt großartig über Bling Bling, dicke Autos und Ladys zu singen, da es nicht meinem Leben entspricht und nicht dem Leben der meisten Menschen, die hier leben. Das finde ich oftmals sehr aufgesetzt und ich finde, dass dies oftmals ein sehr großer Nachteil der Sachen, die auf deutsch stattfinden, ist. Diese Philosphie verfolge ich bei den Texten.  Hamburg ist ja im Allgemeinen auch relativ bekannt für seinen reichen HipHop-Background. Habt Ihr da auch einen Bezug zu, seien es nun Kooperationen oder Sonstiges, oder toleriert Ihr das Ganze zwar, lasst es jedoch unabhängig von Euch stattfinden? (MOUNIR) Man bekommt das natürlich alles auch mit hier. Die Szene ist ja präsent. Man bewegt sich oft in den gleichen Kreisen. Da gibt es auf jeden Fall Überschneidungspunkte. Leo spielt nicht nur Gitarre sondern rappt ja auch. Des Weiteren hatten wir schon einige Kooperationen. Trainingslager ist eine große HipHop-Community hier in Hamburg und mit Absturzcity teilen wir uns ein Studio. Auf dem Album ist ein Track mit Rob-A-Dub von Raw&Free. Rob-A-Dub ist jetzt auch so einen bisschen ein Teil unserer Familie. Den sieht man auf dem Cover ganz links unten. Dann gab es da noch Jermaine (DGS), ein Rapper von der Elfenbeinküste. Er macht relativ politische Texte auf französisch. Mit dem haben wir relativ viel gemacht. Er ist hier in Deutschland als Tänzer von „Der König der Löwen“ ansässig gewesen und hat nebenher noch seine HipHop-Geschichten weiter gemacht mit DreLo. Demnach sind schon einige HipHop-Sachen mit am Start.Natürlich ist eine Band, wie eine seid, sehr stark über die Live-Performance zu definieren. Wie würdet Ihr Euren hierdurch entstandenen Status werten? (MOUNIR) Die Leute kennen uns hauptsächlich vom Live spielen. Das hat damit angefangen, dass wir damals begonnen haben, diese Veranstaltung ins Leben zu rufen, die „Positunes-Jams“ im Waagenbau. Vorrangig fing halt alles mit der Live-Performance an. Das war auch immer eines unserer Hauptanliegen, diese Live-Performance. Es sollte nicht nur Studio-Gedrehe sein, sondern es sollte hauptsächlich Live funktionieren.
(SANNAH) Das war eigentlich ganz witzig. Als der Waagenbau entstand und sich diese 3 Studenten diese Location quasi angeeignet haben, die jetzt ein Trendy-Laden geworden ist, da haben wir schon Kontakte zu denen gepflegt. Dann haben wir halt diese Party hoch gezogen und wirklich Live-Jams veranstaltet. Die Jungs haben da so als Hausband gespielt und wir haben unsere Songs vorgestellt, aber es kamen auch immer wieder andere Künstler hinzu und daraus entstanden dann richtig wilde Jams auf der Bühne, die teilweise bis 5 Uhr morgens andauerten (lacht). Das war schon eine abgefahrene Zeit. Daher kennt man uns und da sind auch viele Songs, quasi auf der Bühne, entstanden oder haben sich zu dem entwickelt, was sie nun sind. Ganz billig vormals am Computer strukturiert, dann live gespielt, weiter gejammt und auf einmal ist es ein ganz anderer Song geworden. In Hamburg wird man uns demnach schon kennen, jedoch sind wir sehr gespannt, was bundesweit dabei raus kommt. Zum Abschluß wäre es natürlich noch mal interessant zu wissen, was Ihr Euch mit diesem Album erhofft und wie Eure weiteren Pläne 2006 aussehen? (SANNAH) Wir sind gerade am schauen, was sich so anbietet, ob wir möglicherweise eine kleine Support-Tour spielen. Wir wollen möglichst viel spielen, das ist ganz klar. Das sind unsere Pläne, um unsere CD bekannt zu machen. Ansonsten erwarten wir uns nicht den großen Knall. Wenn er kommt, umso besser aber wenn nicht, ist es auch gut. Wir wollen aber auch möglichst bald mit einem neuen Album nachkommen. Es soll jetzt schon so ein bisschen ein Bewusstsein entstehen, dass es da die Positunes gibt, nicht nur in Hamburg sondern auch bundesweit. So dass man sich mit 2. oder 3.Album auch schon in die Herzen der Leute rein spielen kann. Deshalb wollen wir möglichst viel Live-Spielen, schreiben und produzieren, um möglicherweise, hoffnungsvoller weise schon nächsten Sommer mit dem nächsten Album am Start zu sein. Das sind die Pläne für 2006. Dann bedanke ich mich für das Interview. Ihr könnt jetzt gerne noch ein paar abschließende Worte an die Leser richten. (SANNAH) Das Ganze kann man auch Online bestellen oder bei Fairtracks - www.fairtracks.de - oder MySpace rein hören. Checkt das einfach mal aus und gerne auch eine Email schreiben, wie das Zeug gefunden wurde. Zumal könnt Ihr dafür voten, welche Albumauskopplung als Single erscheinen soll. Einfach bei MySpace reinhören und eine Email schreiben, welche Nummer Ihr als Single haben wollt.
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