|
Count Basic haben nichts mit dem bekannten Jazzmusiker zu tun, der sich nur ein klein wenig anders schreibt. Und doch hat das Bandprojekt um Peter Legat und Kelli Sae mit seinen neun Live-Musikern auch im Jazz ein paar Wurzeln. Ihre eigentliche Heimat ist aber unverkennbar der Soul, zudem sie jetzt nach einigen elektronischen Ausflügen wieder zurückgefunden haben. Mit SoulSite-Redakteurin Linda Könnecke sprach Band-Chef Legat auf seinem durchweg gemütlichen Wohnzimmer-Sofa über musikalische Führungskräfte, Platzmangel auf Alben-Covers und klebrige Erwachsenenmusik.
 Peter und Linda lk: Kelli und du seid die Köpfe, die auf CDs zu sehen sind und für die Band stehen. pl: Wir zwei tragen das Ganze künstlerisch - mit dem jeweiligen Produzenten, der das Album produziert. Demokratie ist in einer Band nur sehr bedingt möglich. Du kannst nicht elf Leute in ein Studio stellen, „so, wir nehmen jetzt eine Platte auf“. Du brauchst den Käptn, der sagt, „wir fahren jetzt dorthin“. Das machen Kelli und ich als Songwriter und Produzenten. Die Live-Band setzt die Songs live um, hat aber nicht unbedingt mit dem Songwriting zu tun.
Kelli und ich arbeiten jetzt seit zehn Jahren zusammen und das funktioniert super. Aber du brauchst schon einen musikalischen Direktor. Und da sehe ich mich.Hast du jemals überlegt, etwas komplett anderes musikalisch zu machen?
Vor zwei Jahren habe ich ein neues Projekt, Team Legat, begonnen. Das ist mehr Elektronik mit Beats aus dem Laptop, Keyboard, Gitarre und Stimme dazu. Das ist ein bissel härter, einfach dancy und das kommt gut. Aber a ganz andere Schiene.
Dadurch dass ich so viele Musikrichtungen höre, hast du Songs wie „So Close“ auf dem ersten Album. Ein totaler Popsong. Auf der anderen Seite hast du Instrumentalsongs mit Soli. Wir sind stilistisch eh sehr breit aufgestellt. Count Basic ist nicht nur R&B oder nur Pop. Das fordert den Zuhörer, da musst du open minded sein, um alles gut zu finden. Das verlange ich auch gar nicht. Wir finden es gut.Wie wichtig ist dir Kelli als Sängerin, die die Botschaft transportiert? Die Tatsache, dass wir jetzt seit fünf Alben zusammen arbeiten, würde es schwierig für mich machen, käme es bei uns zu einer Veränderung. Wir sind jetzt so zusammengewachsen, als Menschen und Freunde - sie transportiert die Emotionen und den Sound der Band. Du kannst Songs sehr unterschiedlich arrangieren. Sobald sie drauf singt, ist es Count Basic. Es ist hundertzehn Prozent Identifikation mit ihrer Stimme. Sie ist einfach Count Basic. Natürlich. Sie ist … genau die andere Hälfte, ja.  Peter und Linda Vor einiger Zeit habt ihr Zehnjähriges gefeiert. Hat sich bei euch etwas total verändert? Absolut. Dieses „First Decade“-Album war Abschluss meiner Verbindung mit der BMG. Das waren zehn Jahre vier Alben, Best Of, Live-Album und dann hat sich personell soviel verändert und mein Vertrag ist ausgelaufen, dass es eigentlich auch ein Abschluss dieser Zeit war. Jetzt mit der neue Konstellation mit Universal ist es ein brutaler Neuanfang – verbunden mit der Hoffnung, dass ein neues Team auch neuen Elan bringt. So gesehen war dieses „First Decade“-Album ein Abschluss und ein Neubeginn.Wie beschreibst du jemanden, der euch nicht kennt, eure aktuelle Musik? Wir haben einen ganz guten Schritt zurück gemacht. Die ersten zwei Alben waren noch komplett live gespielt - ohne Elektro, das hat´s aufnahmetechnisch noch gar nicht gegeben. Das war ja eine Zeit, wo du mit Tonbändern gearbeitet hast. Im Laufe ist die digitale Technik dazugekommen. Die letzten zwei Alben waren auch mehr mit diesen Gadgets und elektronischen Sounds versehen. Dieses Mal haben wir eine gute Mischung gefunden. Die Band hat sehr viel live gespielt. Wir sind wieder dorthin zurückgegangen, wo wir eigentlich hergekommen sind. Aber ich glaub die Mischung dieser verschiedenen Stilistiken, das ist jetzt ganz gut gelungen auf dem Album. Was ich vom Songnamen interessant finde, sind „Last Man On Earth“ und „Sir Karl“. Kannst du mir etwas dazu sagen? „Last Man On Earth“ handelt vom Ende einer Kurzzeit-Beziehung, die Kelli hatte. „Selbst wenn du der letzte Mann auf dieser Erde wärst, ich würde nichts von dir wissen wollen“.
Das Instrumental „Sir Karl“ ist einem berühmten österreichischen Gitarristen gewidmet. Karl Ratzer hat sehr großen Einfluss auf mein Spiel gehabt. Er ist einer der wenigen österreichischen Musiker, die auch in Amerika Fuß gefasst haben. Er war lange in Atlanta und New York und hat super Alben gemacht. Das ist sozusagen meine Hommage an Karl Ratzer.Und was hat es mit dem Albumtitel auf sich, „Love & Light“? Ich mache seit fast 27 Jahren buddhistische Meditation, da gehst du durch Konzentration auf das Licht los. „Love und Light“ sind Elemente, die unser Zusammensein gesellschaftlich beschreiben. Wenn du Leuten nicht mit Liebe entgegenkommst, sondern immer nur mit Aggression, dann siehst du, was in der Welt abgeht. Teil unseres Daseins ist es vielleicht, dieses innere Licht zu kultivieren. Da funktioniert der Albumtitel perfekt – auch im esoterischen Sinne. Warum sieht man eigentlich nie die anderen auf dem Cover? Beim zweiten Album haben wir im Booklet die ganze Band präsentiert. Aber vorne drauf elf Köpfe – das will kein Mensch sehen. Du brauchst Bezugspersonen. In dem Fall sind wir zwei für die künstlerische Seite von Count Basic verantwortlich. Also ich würde nicht auf die Idee kommen, ein Cover zu machen, wo ich die ganze Band raufstelle. Was hältst du von anderen Künstlern, die in eurem Bereich arbeiten?
Im Moment höre ich, in Amerika sagt man dazu „alternative R&B“. D´Angelo, Michelle N´degechello, die gefallen mir gut und irrsinnig Amp Fiddler. Total funky. Der hat mir a message geschickt gestern, dass er die neuen Songs cool findet. Diese alternativen Nusoul Funk R&B-Geschichten, das gefällt mir im Moment. Adult Contemporary nennt man das auch. Genau. Die Radiostationen heißen ja auch NAC - new adult contemporary. Mir ist dieses Radioformat ein bissel zu soft. Dieser smooth jazz verklebt dir ja zum Teil die Gehörgänge. Diese typischen süße Keyboard-Sounds, die man eh schon nicht mehr hören kann. Wir haben dort lustigerweise Riesen Erfolg gehabt, vielleicht, weil wir ein bissel anders klingen, es ist eben nicht ganz auf Amerika-Schiene. „Sir Karl“ ist sehr funky, da raucht´s a bissel raus.
Meine damalige Plattenfirma hat immer versucht, mich stilistisch in dieses Eck zu drängen, wollten ein zweites „M.L. in the sunshine’“. Beim zweiten Album mit „Joy & Pain“ habe ich lange Faxe bekommen. Das könnten sie nicht verkaufen, da geht gar nichts. Sie waren todunglücklich damit, weil sie den Song nicht gekannt haben. Da habe ich gesagt, „schickt´s das mal zu den Radiostationen“ … in vier Wochen waren von Null auf Eins, weil die Radiostationen und die Jungs die dort arbeiten, natürlich riesige Maze-Fans waren. „Joy and Pain“ kennst du, wenn du mit Soul zu tun hast. Die Plattenfirma war ganz verwundert, haben mir zur tollen Songauswahl gratuliert.
Man muss schon immer sehr vorsichtig sein. Wenn du dir selber untreu wirst und versuchst, „mein Gott, die Firma will jetzt das von mir und ich muss jetzt der tun“ – da bist du in Teufels Küche. Wir versuchen immer das zu machen, was in erster Linie uns gefällt.Oft sind es die Europäer, die zu alten Stilen zurückfinden und diese neu mischen. Das stimmt schon. Es gibt ja auch den Northern Soul, grad in den skandinavischen Ländern oder England. Die haben generell einen guten Draht zum angloamerikanischen Raum. Wie du richtig sagst, sie schauen auch man ein bisschen weiter zurück. Und in Amerika, da bin ich mit Kelli Auto gefahren und habe Radio gehört. Diese smooth jazz stations kannst du gar nicht hören. Ich habe mich da immer sehr gewundert, dass die auf das Zeug, was wir machen, stehe. Aber die lieben es. Nur: Count Basic ist wirklich definitiv nicht smooth jazz. Nur sehr eingeschränkt. Ich will dem auch nicht Nachschub verleihen, indem ich sag, „so, ich mache jetzt ganz softe Sachen.“ Nee, gar nicht. Das würde dann wahrscheinlich auch in der Masse untergehen. Ja komplett. Die Plattenfirma hat mich immer mit Mitschnitten der Radiostationen versorgt, damit ich einen Eindruck kriege, was drüben angesagt ist. Das kannst du nicht hören. Ich hab gesagt, lasst mich lieber unser Ding machen. Wenn es funktioniert, ist es gut, wenn es nicht funktioniert, ist es auch okay. Aber es hat eigentlich immer funktioniert. Also du musst nicht immer so versuchen mit zu schwimmen, wenn du dich abhebst. Wir heben uns definitiv ab in der Art wie wir Songs arrangieren, wie wir das spielen. Es ist einfach etwas erdiger, a bissel funkiger – vielleicht nicht so süß und – es funktioniert.
Und genau danach klingt „Love & Light“, das diese Monat in Österreich erscheint. Ein Veröffentlichungstermin für Deutschland und die Schweiz ist noch nicht bekannt. Man sollte sich aber schon mal den 9. Mai 2007 vormerken. An diesem Abend präsentieren Count Basic Lieder aus ihrem neuen Album live im Wiener „Gorgy & Bess“.
Aktuelle Infos zur Band liefert ihr Profil unter MySpace.
hoch |
|