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Jua singt Chicago-Soul. Dementsprechend vielfältig ist seine Musik, die er jahrelang ausgeklügelt hat und nun auf seinem Album „Anticipation“ präsentiert. Im Email-Interview für SoulSite.de verriet er Redakteurin Linda Könnecke seine Vorliebe für rohe Gefühle, britisches Ausland und ehrliche Entscheidungen.
 Jua Linda: Wann hast du zum ersten Mal bewusst Soulmusik gehört? Jua: Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter hörte immer die ganz Großen – von Luther Vandross und Anita Baker bis zu Chaka Khan und den Blackbyrds. Dadurch hatte sie einen starken Einfluss während meiner Kindheit. Sie motiviert und inspiriert mich aber auch weiterhin. Und was schätzt du am Soul? Ich schätze die Ehrlichkeit in dieser Art Musik. “Wahrer Soul” offenbart die Wahrheit über das Leben, alle Höhen und Tiefen mit eingeschlossen. Es romantisiert keinesfalls Lebenserfahrung des Einzelnen, sondern liefert dir die rohen Gefühle und Gedanken. Ich liebe alles daran, weil dieses Rohe mir bewusst macht, zu reflektieren, was im Leben passiert. Darüber nachzudenken. Für welche Soulkollegen hast du dann Respekt? Also, eine Soulkünstlerin, für die ich sehr starken Respekt empfinde, ist Ledisi. Sie ist auf einer komplett anderen Ebene als der Rest. Ihr Verständnis für Musik merkt man an der Art, wie sie mit der Stimme spielen kann. Sie verblüfft mich einfach :). Dein Name heißt aus dem Suaheli übersetzt “Sonne”. Wie wirkt sich das aus? Er war für mich schon immer besonders. Ich glaube nicht, dass die Welt sich um mich dreht ;). Ich fühle aber, dass ich etwas Besonderes in mir trage, das kein anderer hat. Außerdem bietet die Sonne eine Quelle der Erneuerung und des Wachstums. Auf diese Art und Weise versuche ich auch mein Leben zu leben.). Ich versuche stets vorwärts zu blicken, nach vorne zu gehen. Und – ich will diese Unterstützung und Motivation auch an besondere Leute in meinem Leben weitergeben.  Jua Du hast mal vorübergehend in Großbritannien studiert. Wie hast du die Tage im Ausland erlebt? 2000 hatte ich eine großartige Zeit in London. Ich bin gerade 21 geworden, da fühlte ich mich erwachsen ;o) Ich habe natürlich viele Touristen-Sachen gemacht und ein paar Theateraufführungen besucht. Ich bin aber auf einigen Parties von West-Indies-Leuten gewesen. In der Zeit habe ich wahrhaftig viel über mich selbst gelernt. Und auch über die dortige Musikszene.
Der größte Unterschied zu der in Amerika ist, dass die UK-Leute mehr hinter ihren Soulkünstlern stehen. Viele ältere US-Soulsänger ziehen nach Großbritannien, um dort aufzutreten und ihre Karriere weiterhin aufrecht zu erhalten. In den Staaten wird ihr Talent nicht mehr geschätzt, wie es eigentlich sein sollte. Man bezieht sich lieber auf junge, backfrische Künstler, die nur ein Viertel des Talents der Älteren besitzen. Die Briten sind weit offener gegenüber unterschiedlichen Soulkünstlern mit ihrem sehr variantenreichen Sound. Ganz anders die US-Hörer, die es bevorzugen, von allen Künstlern das Gleiche zu hören. Es scheint, als sei dein Hauptthema die Liebe an sich und die Beziehung der Menschen zu einander. Was steckt demnach hinter Liedern wie “Push Aside The Hurt” und “Lost Paradise”? Stimmt, ein Großteil meines Albums handelt davon. Die meisten können sich auch mit solchen Themen identifizieren, weil sie sehr dynamisch sind. Einfach zeitlos. “Push Aside the Hurt” hat ein Freund von mir geschrieben, der ein unglaublicher Songwriter ist. Er heißt Hermond Palmer. Den Großteil des Liedes hat er verfasst, ich habe nur meine “zwei Cent” dazugepackt. Ich bin stolz auf den Song, weil er etwas Tiefes anspricht: kaputte Beziehungen kurz vor dem Aus. Ich mag es, weil ich mich als den Mann sehe, der sagt, er gehe einen Schritt vorwärts, um die Beziehung zu retten. In einer Beziehung zu sein, ist harte Arbeit. Deshalb müssen derartige Schritte auch mal gemacht werden.
“Lost Paradise” ist eine Zusammenarbeit zwischen Kevin Williams und mir. Die Musik stammt aus einem Stück, das er bereits vor Jahren komponiert hat. Vor einem Jahr ungefähr hat er es mir vorgespielt und ich sagte ihm, dass ich es für mein Album verwenden möchte. Er war sich unsicher, ob ich es schaffe - but I DID!! Den Text hat Marc Fisher geschrieben. Ich war echt beeindruckt von ihm – wie immer. Er spricht Wahres. In dem Lied geht es schlicht darum, zu akzeptieren, wenn eine Beziehung vorbei ist und es für den Partner Zeit wird, das Haus zu verlassen. Wenn es nichts mehr zu retten gibt. Was planst du für die nahe Zukunft? Ich würde liebend gerne Shows in Frankreich und Deutschland machen. Es hängt davon ab, ob es Anfragen gibt und auch davon, wie ich diese umsetzen kann. In Washington D.C., Baltimore und New York City habe ich demnächst Auftritte. Mein Manager und ich arbeiten schwer daran, das Album “Anticipation” zu bewerben. Kommen wir zu den berühmten Entscheidungsfragen. Motown oder Stax? Stax. Sie haben einige Künstler neu unter Vertrag genommen, um das Label zu revitalisieren. Also Sängerinnen wie Lalah Hathaway, N’Dambi und Angie Stone. Ich kann es gar nicht abwarten, zu sehen, wie die Plattenfirma aktuell wächst.  Jua Northern oder Southern Soul? Okay. Ich weiß nicht wirklich, was Southern Soul ist, dafür kenne ich aber den Northern Soul. Ich mag die Wiederbelebung der Sechziger Jahre in der Musik von heute. Ich bin ein großer Amy Winehouse Fan. Sie ist extrem talentiert.Kirchenchor oder Background-Gruppe eines R&B-Stars? Die R&B Star backing group. Ich habe beim Kirchenchor viel gelernt, aber es war eine stressige Zeit. Ich würde eindeutig die andere Gruppe nehmen. Wenn es ein großer Star wäre, wären die Auftritte auch sehr gut bezahlt ;o) Und welchen Soul legst du auf, wenn es romantisch werden soll? Sade, Maxwell, Chante Moore. Wie beschreibst du die soulige Seite deiner Musik in einem Satz? Leidenschaftliche Musik, die aus dem Herzen kommt und müde Herzen heilen soll. Eine soulige Zeile aus einem deiner Songs bitte noch. “Need you with me like the air I breathe” von dem Lied “I Need You”. Die Zeile ist für mich kraftvoll, weil sie nicht nur beschreibt, wie jemand über sein Soulmate fühlen soll, sondern auch meine Einstellung zur Musik reflektiert. Ich weiß nicht, wo ich wäre, hätte ich nicht die Möglichkeit zu singen und Musik zu kreieren. Ich wäre in dieser verrückten Welt verloren.
Doch der Soul hat ihn gerettet. Und wird ihm wohl noch einige Jahre lang seine Kreativität erhalten.
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