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Andreas Horchler  
soulsite.de
Augen zu und sanft unter den Augen küssen  
Januar 2008 :: Frankfurt - Karlsruhe (Email) - von Linda Könnecke  


Die Heimat von Silke und Andreas liegt unverkennbar in Hessen. Der Saxofonist und die Sängerin sind jeder für sich seit zwanzig Jahren auf diversen Bühnen unterwegs, beide nennen Bach, Zappa und Coltrane ihre stärksten Einflüsse. "Mein Frankfurt” heißt die neue Platte des Duos "Frankfurt Dialog Company", auf der sie loungigen SoulJazz präsentieren – mit Liedern wie „King Of Groove“ und „You Are the Sun“. Karlsruhe und Mainhattan sind nicht weit voneinander entfernt. Trotzdem war es für Andreas schneller, die Antworten von SoulSite-Redakteurin Linda Könnecke per elektronischer Post zu beantworten.

Andreas Horchler  :: Augen zu und sanft unter den Augen küssen - Januar 2008
Linda: Ihr kennt Euch nicht erst seit gestern, wo habt Ihr Euch das erste Mal getroffen?
Andreas: Im "Cookies", einem Soul, Funk und House Club in der Frankfurter Innenstadt. Irgendwie haben wir uns gleich „erkannt“, als Zwei, die zusammen gehören. So kam‘s dann auch.

FDC besteht aus Silke und Andreas. Wie laufen eure Live-Auftritte ab?
Bislang waren wir ein „studio only“ Projekt. Wir haben das Glück, eine ganze Menge Instrumente spielen und auch im eigenen Studio eine Menge moderner Technologie zum Klingen bringen zu können. Momentan stellen wir eine „größere“ Frankfurt Dialog Company zusammen, die dann ab Frühjahr 2008 zu erleben ist.

Was steckt hinter dem Bandnamen? Kommuniziert die deutsche Bankenstadt mit der Welt oder ist das ganz anders zu verstehen?
Ja, klar wir wollen mit der ganzen Welt kommunizieren. Das tut Soul-Musik immer. Aber auch immer miteinander und mit den Menschen in unserer Stadt, die oft genug in sehr unterschiedlichen Welten leben, in reichen und armen, oft in atemlosen, hektischen. Alle zusammen befinden sie sich in einer Stadt, die zu unrecht immer noch ein schlechtes Image hat.

Soul ist ein Genre, das nicht gern allein ist und sich deshalb oft mit anderen Kollegen wie dem Funk oder bei Euch dem Jazz vermischt. Wie beschreibt ihr demnach die soulvolle Seite eurer Musik - in einem Satz?
Die groovende Umsetzung seelenvoller Texte.

Andreas Horchler  :: Augen zu und sanft unter den Augen küssen - Januar 2008
Und was schätzt Ihr generell am Soul?
Soul ist mit Blues, Jazz und Funk die Seelenmusik, die in wenigen Sätzen das hinbekommt, wofür andere Romane mit vielen 100 Seiten brauchen.

Was haltet Ihr eigentlich vom berühmt-berüchtigten Lounge- Jazz, bei dem gerne einfallslose Melodien mit Hilfe einer Soulstimme Tiefe verliehen wird?
In der Regel nicht viel. Gelegentlich gibt es aber raffinierte, instrumentale Einfälle, kleine Rhodes-Phrasen, ein kleiner Break im Rhythmus - das kann dann schon Spaß machen.

Eines Eurer Lieder heißt „Gleich unter Deinem Auge“.- wer ist das lyrische Du?
Silke/Andreas. Da heißt es: „Gleich unter Deinem Auge ist der kleine Ort, den ich immer wieder küsse, ganz genau dort, wo du seidenweich bist und frisch wie ein Tropfen Regen“. Also wir können nur sagen ausprobieren! Augen zu, sanft unter den Augen küssen, das ist klasse!

Und wer ist der wahre „King of Groove“?
Schwierig. Bei den Herren vielleicht Barry White, bei den Damen Aretha Franklin. Aber wir haben auch heute wunderbare Souler, Gott sei Dank.

Andreas Horchler  :: Augen zu und sanft unter den Augen küssen - Januar 2008
Wer zählt dieser Tage zur royalen Familie, international gesehen?
Bei den Damen Mary J. Blige, Christina Aguilera, Beyonce. Bei den Herren stilbildend Prince, Solomon Burke, R. Kelly, heute Wyclef Jean, Black Eyed Peas and many more.

Finden sich auch hierzulande Thronerben?
Man mag zu den Texten und dem Ausdruck stehen, wie man will, aber ganz klar: Xavier Naidoo, ein echter Stimm-Traum.

Gerade frisch auf dem Markt: „Mein Frankfurt“. Was darf man da erwarten, reine Lobeshymnen auf die heimliche Hauptstadt Hessens, oder steckt dahinter ein größeres musikalisches Konzept?
Da muss sich jeder selbst ein Bild von machen unter Frankfurtdialogcompany.de. Wir wollen unsere Stadt zeigen, wie wir sie subjektiv sehen. Und das ist definitiv besser als das Image. Trotzdem sind unsere Texte kritisch, nehmen die Geschichte aufs Korn, die Karrieregeilheit, die Hektik, den Verkehrskollaps. Aber unter dem Strich sagen wir: Es ist toll, in einer totalen Multikulti- Stadt relativ friedlich miteinander leben und eine Menge Spaß haben zu können.

Ihr arbeitet hauptberuflich als Radiojournalist und engagierte Malerin. Wie findet ihr neben dem Beruf Zeit für die Musik?
Fünf Uhr aufstehen, nach Mitternacht ins Bett. Es ist so, dass wir unser Studio im Haus haben, also durchaus einmal eine halbe Stunde an einem Song arbeiten können, um dann wieder etwas anderes zu machen. Und wenn wir gerade an einem neuen Bild oder einem Hörbuch-Soundtrack sitzen, kommt schon einmal eine Textzeile und dann noch eine, ein paar Klavier- oder Gitarrenakkorde, ein Sax-Riff, und schon geht’s los.

Wann darf man mit Auftritten in Deutschland, Österreich und der Schweiz rechnen?
Konzerte im Frühjahr und natürlich erst einmal lokal im Rhein-Main- Gebiet. Aber wir denken schon, dass Dinge, die hier in Frankfurt spielen, auch anderswo gelten können.

Musiker haben diverse Wege, um ihre Produkte an den Mann zu bringen, bei Konzerten am Merchandise-Stand, bei Internet Shops etc. Wo seht Ihr für Euch die größten Absatzmöglichkeiten?
Wie sehen das nach dem Motto: Die Musikindustrie ist tot, es lebe die Musik! Natürlich haben wir keinerlei Budget für Marketing und PR. Deshalb wollten wir die Sache von der anderen Seite aufrollen und hatten eben vor einem Jahr die Idee, dass es nicht so furchtbar viel Musik über unsere Stadt gibt. Think local, hieß also das Motto und ein bisschen Frankfurt-Soul kann ja nun wirklich nicht schaden. Finden auch die Zeitungen und Sender hier in der Stadt. Da gibt es schon einiges an Aufmerksamkeit! Unsere CD liegt in einigen Läden hier in der Stadt aus, und zwar abseits der Plattenläden. Dort können wir natürlich nicht konkurrieren. Ansonsten bieten wir unsere Sachen über die eigene Homepage und die üblichen Wege an wie Amazon etc.

Eine Kennerfrage: Kann deutschen Soul über den aktuellen Hype hinaus überleben?
Selbstverständlich, denn mittlerweile ist jedem klar: Soul ist eine universelle, eine Ur-Musik, ganz anders als viele andere Genres und er ist die beste Musikform, um sehr direkt Gefühle und Seelenzustände zu vermitteln.

Okay, zum Abschluss eine Bitte: Nennt mir eine soulvolle Zeile aus einem Eurer Lieder.
Nimm eine Auszeit, mach dich bereit auf eine Reise nach innen it all deinen Sinnen bis dein Leben hell vor dir strahlt. Dann hast du dein eigenes Bild gemalt. (Aus Bergauf, bergab © Natschke/Horchler FDC 2007)




 

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