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Ein Franzose sorgt für Furore in Amerika  
März 2008 :: Frankreich - Deutschland - von Frank Schuckelt  


"SmoothJazz" hat in Europa eine verschwindend geringe Bedeutung. Umso erstaunlicher, dass ein Pariser mit Künstlernamen "U-Nam" seit einem Jahr für Furore in den amerikanischen Charts selbigen Genres sorgt. U-Nams zweite CD "Back From The 80s" fokussiert sich auf sein Gitarrenspiel, stark beeinflusst von George Benson. Die Musik ist im SmoothJazz verwurzelt, mit einem kräftigen Schuss Funk und hier und da einer Prise R&B, Pop und Soul. U-Nam bezeichnet seinen Stil als "classy, jazzy, funky, frenchy". Darüber sprach der Musiker im Interview mit Frank Schuckelt. Der SoulSite-Redakteur befragte den Pariser zu seinen Erinnerungen an die Achtziger, seiner Arbeit mit anderen Musikern und seinen Plänen für 2008.



U-Nam :: Ein Franzose sorgt für Furore in Amerika - März 2008
U-Nam
Frank: Deine neue CD ist eine instrumentale Reise durch eigenes Material und Coversongs aus den Achtzigern. Was verbindest du mit dem Jahrzehnt?
U-Nam: "Back from the 80s" ist für mich eine Zeitreise. Zurück zu der Musik die ich gehört habe, als ich Kind war. Michael Jackson, George Benson, Earth, Wind and Fire, Lionel Richie - all die Produktionen von Quincy Jones.  Ich hätte es ähnlich einem meiner Lieblingsfilme „Back to the Future" (Zurück in die Zukunft) nennen können. "Back from the 80s" beschreibt aber besser, was ich ausdrücken will: eine Reminiszenz an meine musikalischen Helden mit einem „hippen" Bezug zur heutigen Szene.

Wie war es mit einem "Smooth Jazz- Crack" wie Jeff Lorber zusammenzuarbeiten?
Jeff spielte schon auf meiner ersten CD. Als ich die Idee hatte "Street Life" zu covern, war klar, dass da auch ein Rhodes-Solo dabei sein müsse. Für mich ist das Solo von Joe Sample auf der Originalaufnahme das Highlight des Songs. Wer außer ihm könnte das übernehmen? Es war eindeutig Jeff Lorber. Er hat einen unglaublichen Rhodes-Sound, spielt so funky und ist für mich der neue Sample. Und ich weiß er, dass er selbst ihn bewundert. Also fragte ich ihn und er war begeistert. Man hört den Spaß, den er während der Aufnahme hatte. Es ist eines meiner Lieblingssolos von ihm.

"Breezin' Ma" erinnert mich an eine Fahrt an der US-Westküste auf dem Highway #1.
Ja, das Feeling wird in den USA als driving song bezeichnet. Der Song klingt frisch mit viel Spaß und Energie. Mike White am Schlagzeug, Alex Al am Bass wie auch Paulinho DaCosta und Dennis Benarrosh an den Percussions. Genau diese fantastische rhythm section verleiht ihm den Groove. Mit Gefühl des "FunkSoulJazz" der Siebziger und frühen Achtziger bin ich eng verbunden. Manchmal ist der "SmoothJazz" so langweilig und reglementiert. Ich vermisse die Zeit als die Platten wie "Weekend in L.A" und "Maze Live in L.A" oder auch die Musik der Bands Earth, Wind &Fire und Crusaders rauskamen. Diese Stimmung, dieses Gefühl will ich heraufbeschwören.

Wie war die Zeit im Studio mit Michael White, Steve Harvey, Paulinho da Costa, Melvin Lee Davis und Jeff Lorber?
Zuerst einmal zu Michael White. Er ist einer meiner Lieblingsschlagzeuger. Er hat einen starken Groove und einen guten Sound, mittlerweile sind wir gute Freunde geworden. Steve Harvey ist eher außerhalb der "SmoothJazz"-Szene tätig. Er ist ein toller Produzent und sein Schlagzeug-Sound erinnert mich an den von Harvey Mason während der Aufnahmen zu „Breezin". Paulinho da Costa: „Wow" kann ich da nur sagen. Ich war wirklich beeindruckt und nebenbei ist er ein wirklich netter Typ. Es ist kaum vorstellbar. Diese lebende Legende fragt mich nach seinem Take: „War es in Ordnung für dich? Sag mir was du denkst, ich kann es auch noch einmal spielen." Es war ein unvergesslicher Tag.

U-Nam :: Ein Franzose sorgt für Furore in Amerika - März 2008
U-Nam
Wo wurden die Songs aufgenommen? Hast du die Musiker getroffen oder war es eine Internetproduktion, bei der die Tracks hin und her geschickt werden?
Die meisten Musiker haben ihren Teil in ihren Heimstudios aufgenommen. Das ist mittlerweile so üblich. Also habe ich ihnen Demoversionen, die Noten und die Dateien gesendet. Maysa und Andy Narell kamen für die Aufnahmen in mein Pariser Studio. Paulinho Da Costa habe ich in Los Angeles getroffen.

Was bedeutet Franck Sitbon fürdein Projekt "Back from the 80s"?
Franck ist mein „großer Bruder". Er ist ein außergewöhnlicher Songschreiber, Sänger und Keyboardspieler. Er ist einzigartig. Wir kennen uns seit vielen Jahren und haben zusammen bereits an einigen Projekten gearbeitet. Er hatte auf meinem ersten Soloalbum gespielt. Aber in dieses Projekt war er stärker involviert, wir ergänzten uns optimal. Wir haben einige Songs zusammen geschrieben, Franck spielte die  Keyboard-Teile mit Ausnahme von „Street life" und er singt Lead- und Backing-Vocals. Ich genieße es, so jemanden an meiner Seite zu haben und viel mit ihm teilen zu können.

Die U.K. Edition enthält als Bonus die CD „The After Show Party" mit einigen Remixes deines ersten Albums „Past builds the future". Der Track „Right Here Right Now" mit Sänger Phil Perry ist ein echtes Juwel.
Weder im Vereinigten Königreich noch im restlichen Europa existiert ein „SmoothJazz"-Markt. Hier geht es mehr um „Soul" und „Vocals" als um Instrumentalmusik. So entschied ich mich für ein paar Remixe meiner ersten Solo CD, aber in Wirklichkeit arrangierte und instrumentierte ich die Songs komplett neu. Es ist verblüffend, dass ich in England vollkommen unerwarteten Erfolg damit hatte. Ich war lange Zeit auf den Spitzenplätzen in den Modern Soul Charts, bekam gute Kritiken in verschiedenen Magazinen und Steve Quirk auf „Smooth FM" wählte es zum Album des Jahres. Ich spielte auch live bei seiner berühmten „Fusion Flavours Show" in Manchester.

Was machst du lieber: Songwriting, Produzieren, Mixen, Gitarrespielen oder für andere Musiker zu arbeiten?
Ich verbringe die meiste Zeit im Studio. Schreiben, produzieren, arrangieren das alles liebe ich. Aber letztes Jahr war es an der Zeit live zu spielen, die Musik mit meinem Publikum zu teilen. 2007 hatte ich einige Shows in England, ich spielte letztes Jahr im Sommer in New York und im vergangenen Oktober in L.A. auf dem berühmten „Catalina Jazz Festival".

U-Nam :: Ein Franzose sorgt für Furore in Amerika - März 2008
U-Nam
Was steht dieses Jahr auf deinem Terminkalender?
Hoffentlich mehr und mehr Gigs, Shows und Festivals in den USA. Ich liebe es live zu spielen, das ist das was ich mag. Dinge auszuprobieren, zu improvisieren. Die Emotionen der Zuschauer zu sehen und zu fühlen. Ein Gig auf den ich mich besonders freue ist der „Dave Koz Cruise 2008". Ich bin auf dem Artist Line-Up mit Dave Koz, George Duke, Eric Benet, Rick Braun und Jonathan Butler. Das wird bestimmt fantastisch. Eine Kreuzfahrt habe ich auch noch nie gemacht, ich bin wirklich aufgeregt. Und am 3. Oktober werde ich wieder auf dem Catalina Jazz Trax Festival in Los Angeles auftreten. Dann arbeite ich momentan an meinem neuen Album. Alle Stücke sind bereits geschrieben, ich habe jede Menge Material. Einige meiner liebsten Soulsänger wie Rahsaan Patterson und Marva King sind dabei. Zudem kommen  Musiker wie Mike White, Alex Al, Franck Sitbon, Denis Benarosh, Paris Horns, The M.A String Orchestra und einige Spezialgäste. Wahrscheinlich kommt sie Anfang 2009 auf den Markt. Außerdem werde ich demnächst auf einem Projekt names "G-Fire" auftauchen. Das Konzept ist sehr interessant. Gitarristen verschiedener Genres (Rock, Jazz, Fusion) spielen auf einer Tribute to Stevie Wonder CD. Ich bin stolz mitwirken zu dürfen, weil ich Stevie Wonder wirklich bewundere. Außerdem wird mein Label "Trippin'n'Rhythm" eine Christmas CD mit Greg Karukas , Paul Harcastle, Jaared, Oli Silk & Sekou Bunch und natürlich mir veröffentlichen. Ach ja, außerdem ziehe ich in den nächsten Wochen nach L.A. Mein Terminkalender ist also ziemlich voll. Ich genieße es einfach, das alles machen zu können, davon habe ich immer geträumt.

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg auf deinem Weg.
Frank, es war mir ein Vergnügen mittlerweile das zweite Interview mit dir zu haben.




 

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