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Mit dem „Telefonterror“ als Interlude auf einer Freundeskreis-CD hatte alles angefangen. Dann kam der Riesenerfolg mit Moses Pelham und Martin Haas als Glashaus-Projekt, später auch die erste eigene Platte „Seele mit Herz“. Soul steckt noch immer in Cassandra Steen, wenn auch 2009 etwas poppiger vermarktet und positiver gestimmt als noch zu 3p-Zeiten. Darüber sprach die Sängerin am Telefon mit SoulSite-Redakteurin Linda Könnecke.
Linda: In wenigen Tagen erscheint dein zweites Album. Freust du dich drauf? Cassandra : Ja, sehr. Ich bin gespannt, wie meine neue Musik ankommt. Ob sie Leute begleiten darf. Ich hoffe es, und auch, dass es seinen Sinn erfüllt, Menschen damit zu unterstützen und zu motivieren. Es ist keine Party-Platte. Aber ich will Leute dazu bewegen, schwierige Zeiten auch anzunehmen, Probleme als solche anzuerkennen. Weil, nur dann schreite ich vorwärts, und komme weiter voran. Das sind die Grundstimmung und der Sinn an der Sache.Steckt da auch persönliche Erfahrung mit drin? Es ist persönlich wie auch eine gesellschaftliche Grundstimmung, die ich fühle. Das merke ich in meinem Umfeld. Was ist stilistisch anders als zum Debütalbum? Von der Stimmung her ist es sehr viel positiver. Sehr lebensbejahend. Bevor man sich in Selbstmitleid kugelt, sollte man voranschreiten. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, an sich zu glauben und zu sagen, ich habe keine Angst, das schaffe ich schon. Mit der aktuellen Single „Darum leben wir“ bist du momentan auf vielen Radiosendern und Internetseiten zu hören. Worum geht es? Um eben diese Grundstimmung vom Album. Wobei sie bei diesem Stück am Meisten vertreten ist. Eben die Aussage, dass man lernen soll, Fehler zu machen, nicht zu sehr an der Vergangenheit festzuhalten und mehr in der Gegenwart zu leben. Auch nicht zu sehr nach vorne zu schauen und zu planen, sondern Dinge einfach auf sich zukommen zu lassen. Wenn man Pläne hat, läuft es ja oft ganz anders und wird mitunter enttäuscht. Deshalb ist es besser, lieber im Hier und Jetzt zu leben und sich hingleiten zu lassen. Mit dem Song hast du dich auch beim Bundesvision Song Contest beworben. Wie kam es dazu? Das kam von der Produktion, die hatte schon vor einem Jahr angefragt. Nur, da hatte ich noch kein Material. Aber jetzt war es spannend mit all den Künstlern, die dabei sind, sich einfach kennenzulernen und überhaupt auch eine weitere Plattform zu bekommen, um für sich zu werben.Wie denkst du darüber, dass 50 Prozent eines eingereichten Liedes auf Deutsch sein muss? Ich finde, dass deutsche Musik kann auf internationaler wie auch auf nationaler Ebene voll mithalten kann. Weil sie meist auch gute Qualität hat. Wir haben in Deutschland eine gute Sprachkultur. Und ich liebe unsere Sprache, habe ja auch meine Texte, zusammen mit Großschreibern auf Deutsch verfasst, allerdings auch lange daran gearbeitet. Hat es deshalb so lange gedauert, bis was Neues von dir kam? Ja, unter anderem. Wir haben auch lange nach den richtigen Melodien und Instrumentalen gesucht, damit man nicht in wieder in diese traurige Glashaus-Stimmung kommt. Anfangs hatten wir NUR solche Sachen bekommen. Da mussten wir den Leuten erstmal begreiflich machen, dass wir genau das nicht wollen. Und dann ging es darum: Wie verpacken wir es, wie manifestiere ich meine Ideen? Deshalb hat es länger gedauert. Hat sich aber Gott sei Dank gelohnt. Und warum startest du jetzt gerade mit „Darum Leben Wir“ als erste Single? Für mich war es wichtig als ein Befreiungsschlag von Glashaus. Weil ich als Person etwas ganz anderes anbiete. Und dieses Lied zeigt das auch am Stärksten. Bei Stefan Raab hattest du eine kleine Band mit dabei. Wirst du mit denen auf Tour gehen? Ich hoffe doch. Kommt natürlich auf die Nachfrage an. Im März ist ein Konzert in Köln. Grob geplant ist eine Tour im Sommer und im Herbst.Hast du zu den Leuten von Freundeskreis aus deiner Anfangszeit noch Kontakt? Ja, sogar sehr regelmäßig. Max, Sekou – Sekou macht jetzt mein Management – DJ Friction sehe ich ab und zu mal, meistens auf den HipHop-Open. Auch die anderen alten Leute. Das ist dann wie so ein Klassentreffen. Was hast du über diese vielen Kontakte hinaus aus der Zeit mit Freundeskreis mitgenommen? Viel Disziplin, was auch wichtig ist auf Tour. Tagsüber ist man k.o. vom Abend zuvor, schläft die meiste Zeit oder vertreibst sie mit ‚nem Buch, guten Gesprächen oder Musik. Und abends erwartet dich dann diese Explosion, alles ist toll. Dann feiert man die ganze Nacht und schon geht der Kreislauf weiter. Manchmal kommt man gar nicht zum Schlafen, weil es mitten in der Nacht zur nächsten Stadt weitergeht. Also da wird körperliche wie mentale Disziplin verlangt. Und was hast du aus der Zeit mit dem Projekt Glashaus für dich mitgenommen? Fast das Gleiche nur in anderer Form. Da waren wir ja keine richtige Gruppe, sondern zu Dritt, und die anderen zwei waren auch weitaus älter. Gerade Moses war auch schon länger in der Branche. Da ging es ruhiger zu. Da fing es schon damit an, dass man auch mal die Feinheiten der Branche mitbekommt. Da wird also nicht nur gefeiert, sondern da ist auch viel Geschäft dabei. Letzten Sommer warst du ja kurzfristig Teil der Söhne Mannheims. Wie ist die Zusammenarbeit verlaufen? Das war sehr, sehr schön. Man hat Leute um sich rum, die erfolgreich, aber auf dem Boden geblieben sind. Das ist eine ganz andere Welt bei denen, wo es nur um die Musik geht. Hattest du dein Album damals bereits fertig gehabt? Das war in Arbeit. Jetzt ist es fertig und draußen. Wie würdest du es beschreiben? Es ist einfach weitaus positiver als noch "Seele mit Herz", weil es Wege zeigt, wie man mit Schwierigkeiten umgehen kann. Ist dieses hörbarpositive Gefühl ein Spiegel deiner inneren Weiterentwicklung? Auf jeden Fall. Ich habe nicht aufgehört zu wachsen. Es ist doch, dass ich heute Dinge vielmehr als noch früher. Das spiegelt sich auch entsprechend in der Musik wieder. Man erkennt einfach den Wert von sich und muss daran arbeiten, ein besserer Mensch zu sein. War dir das früher nicht so möglich? Man denkt schon drüber nach in jüngeren Jahren, man weiß nur nicht genau wie. Da spielt dann auch eine gewisse Unsicherheit eine Rolle, weshalb man sich da erstmal langsam herantastet. Das kommt ja auch mit dem Alter erst. Man bekommt ja immer andere Herausforderungen gestellt und stellt sich denen mit den Jahren auch eher und wird mit der Zeit viel offener und lernt stetig dazu. Du hast gesagt, dass du auch von Xavier durch die Mitarbeit bei den Söhnen sehr viel gelernt. Inwieweit habt ihr euch als ehemalige 3p-ler gekannt? Nur sehr flüchtig. Ich bin gekommen und er ist gegangen. Man hat sich halt ab und zu mal bei Events und Shows backstage gesehen, wo man sich halt mal über den Weg rennt. Irgendwann habe ich mich dann auch getraut ihn anzusprechen, ob er Lust hätte mit mir zu arbeiten. Und er hat dann sofort „ja“ gesagt, was mich sehr gefreut hat. Und er meinte dann: Lass uns doch mehr als nur ein Lied machen. Seitdem habe ich jedesmal die Ehre, jedesmal mitzubekommen, wie er als Musiker und Mensch wächst. Allerdings wird dabei nicht viel gesprochen. Er hat jetzt nicht diese Lehrer-Funktion, aber trotzdem lerne ich sehr viel, einfach durchs Beobachten und Miterleben. Ein anderes Lied bei deiner neuen CD heißt „Engel“. Was bedeutet das für dich, diese Wesen? Ich glaube, dass es irdische Engel gibt. Ob es da oben Engel gibt, das weiß ich nicht. Aber ich glaube, dass es Menschen gibt, die wirklich sehr viel durchstehen und trotzdem noch gutmütig sind. Das merkt man einfach durch einen bestimmten Blick oder eine zufällige Geste. Wenn man das etwas weiter fasst, braucht man einen Schutzengel, um in der Musikindustrie zu überleben? Uiii… (überlegt) jede Menge Glück braucht man auf jeden Fall. Man braucht immer wieder jemanden, der dich rausholt, der dich erdet und dir etwas Halt gibt. So jemanden braucht man öfter in der Musikwelt, die nicht viel anders ist als in der normalen Welt. Sie ist nur einfach viel extremer. Da geht alles viel schneller und heftiger. Da braucht man schon ein wenig Glück, um den Kopf nicht zu verlieren, also die Übersicht über die reale Welt und diese Illusionen-Welt, die einem ja schon auch ein bisschen geboten wird. Kann man sich in dieser Welt voll Illusionen auch mal verlieren? Das kann schon sehr schnell passieren. Ich hatte das Glück, dass ich nicht immer ganz vorne stand. Auch bei Glashaus hatte ich diesen Schutz von Moses und Martin, die die Verantwortung übernommen und den Druck, der auf mich hätte zukommen können, abgefangen haben. Ich stand da immer im Hintergrund und konnte das beobachten. Es gibt andere, die einen schnellen Erfolgt hatten und vielleicht auch zu Recht damit nicht umgehen konnten. Man hat da ganz andere Erwartungen und trifft dann aber auf die harte Realität. Das ist dann manchmal vielleicht auch ein bisschen schwer zu verdauen. Tja, zum einen sollte man sich als Künstler mit dem Erfolg Zeit lassen, zum anderen wollen die Plattenfirmen oft, dass es ganz schnell an die Chart-Spitze geht. Worauf kommt es an, wenn ein Künstler und eine Plattenfirma zusammenarbeiten und beide was davon haben sollen? Wichtig ist, dass man selber weiß, was man will und vielleicht auch Freunde in der Branche findet, die sich in der Materie auskennen und verstehen, wie es da manchmal abgeht. Menschen die einen 9-to-5-Job mit einem geregelterem Ablauf haben, die begreifen das kaum, aber auch die braucht man. Also Leute von beiden Welten. Schon lange vor der Finanzkrise hieß es, die Musikbranche sei am Sterben. Immer weniger Labels, kaum noch Langzeit-Verträge für Künstler. Woran liegt das? Menschen sind fast dazu gemacht, dass sie eine Sicherheit haben wollen. Gerade bei der Finanzkrise hat man gesehen, dass sich Dinge schnell ändern können und man dann versucht, alles im Griff zu haben, es steuern zu können, obwohl man das gar nicht kann. Genauso ist jetzt mit den Plattenverträgen – man weiß nicht, was passiert, also will man kein Risiko eingehen. Mal eine andere Frage: Seit deinem Debüt warst noch immer präsent, vor allem bei Tracks von Rappern. Kann Soul- und R&B-Musik heute noch ohne HipHop auskommen? Ja schon. Ich glaube, dafür ist mein Album das beste Beispiel. Ich habe überhaupt keine Rapper drauf, wenn dann nur Sänger. Das war auch mein Wunsch, weil eben sehr viele Sänger gibt, die Rapper als Feature nehmen. Weil es eben auch darum geht, dass man zwei Sachen zusammenbringen kann. Und nicht „das eine kann nicht ohne das andere“. Von wegen jeder muss den anderen begleiten. Das funktioniert auch ganz gut alleine, man muss sich h alt nur Mühe geben. Aber dann wird es der Musik auch gerecht. Und ich hoffe, dass wir es mit der Platte geschafft haben, auch dem Gesang gerecht zu werden und über den Gesang eine Plattform zu bieten. Gerade dein Gesang wie auch deine Musikauswahl machen dich für mich zu einer Soulsängerin. Was macht einen Song für dich zum Soul-Song? Der Ausdruck. Soul sind für mich auch Coldplay. Und die sind überhaupt nicht R&B. Oder auch Rage Against The Machine. Das liegt ganz allein am Ausdruck, an der Seele. Und das findet man in sehr vielen Stücken, nicht immer an einer hervorragenden Stimme, aber am Ausdruck. Und auf welches Soul-Album, das bald rauskommen soll, freust du dich am Meisten?
Die besten Sachen sind schon draußen. Aber am meisten würde ich mich über ein neues von Prince freuen. Und von George Michael. Auch wenn er nicht der klassische Soul ist. Für mich steckt in seiner Musik sehr viel, in den Texten, in den Melodien.
Und du freust dich sicherlich auch auf die Resonanz zu deinem eigenen Album…
Natürlich. Und auf die Tour genauso.
Seit diesem Monat steht Cassandra Steens „Darum leben wir“ sowohl als CD wie auch als Maxi bei allen üblichen Musikfachhändlern im Regal.
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