|
Entgegen aller vorurteilsbehafteten Erwartungen hat der finnische Sänger Tuomo den Soul im Blut. Geprägt von der Musik aus den frühen Siebzigerjahren, eifert er dem Lebensgefühl nach, das durch die Musik dieser Ära ausgelöst wurde. Dies beweist er mit seinem zweiten Studioalbum „Reaches Out For you“ und den zahlreichen Jazz-Projekten an denen er auf vielfältige Art und Weise schöpferisch beteiligt ist. Tuomo ist Allrounder: Multiinstrumentalist, Songschreiber, Sänger und erfolgreicher Produzent. Mit Soulsite-Redakteurin Feven Kiflom sprach er über seine Inspirationen, seine bisherige musikalische Laufbahn als Solo-Künstler und sein kommendes Album.
Feven: Erinnerst Du Dich an Deine erste Soul Platte? Tuomo: Das ist schwierig zu sagen. Ich glaube, dass ich zu allererst Aretha Franklin Platten gehört habe. Woran ich mich aber definitiv erinnere: James Brown.. Damals habe ich immer Songs aus dem Radio aufgenommen und auf einer Kassette war“Sex Machine”. Mit welchem internationalen Künstler würdest Du gerne zusammenarbeiten? Ein Musiker der mir sofort in den Sinn kommt, ist Ahmir Khalib Thompson (Questlove von The Roots; Anm. d. Redaktion). Ich mag alle Platten, die er produziert oder auf denen er Schlagzeug gespielt hat. Er ist einfach großartig. Aber an und für sich, kann man vorher nicht abschätzen wie gut die Zusammenarbeit mit diesem Musiker laufen würde, da man sich ja nicht persönlich kennt. Wer ist für Dich der einflussreichste Soul Künstler aller Zeiten? Definitiv Stevie Wonder. Und wenn man an die früheren Souljahre zurückdenkt: Ray Charles. Stevie Wonder hat die Richtung von Soul-Musik neu definiert und den Weg für die moderne R’n’B Musik geebnet. Aber es ist niemals nur ein Musiker. Vielleicht erhält einer den Ruhm. Aber es geht immer um eine Bewegung. Daher ist es so, dass wenn es diese eine Person nicht geben würde, wäre es mit Sicherheit jemand anders der früher oder später das Selbe in der Gesellschaft auslösen würde. Wie reagierst Du, wenn Leute sagen, dass warme Soul- und Jazz-Musik nicht zu einen Finnischen Künstler passt? So etwas habe ich Gott sei Dank bisher nicht erfahren. Ich bekomme wohl nie mit, dass Leute meine Musik aufgrund meines Backgrounds runtermachen. Das Einzige, was Leute sagen ist: “Wow, ist die Musik wirklich aus Finnland? Sie klingt nämlich ganz und gar nicht finnisch.“ Ich glaube eher, dass meine Herkunft auf Grund dieses Gegensatzes in Leuten Interesse weckt. Warum hast Du dein Debüt Album nicht früher veröffentlicht? Ich nehme seit 2001 Platten auf. Aber damals war ich nur Mitglied verschiedener Bands und Projekte. Mit der Zeit habe ich dann mehr und mehr Verantwortung im Leiten dieser Bands übernommen, wofür ich zuvor nicht bereit gewesen bin. Damals habe ich das mit der Musik nicht so ernst genommen. Ich sah mich selbst nie als Sänger, sondern definierte mich nur als Keyboard-Spieler. Daher schrieb ich eher Songs für andere als für mich selbst. Das Eingeständnis kam einfach später aus einem Entwicklungsprozess heraus. Hätte ich die Solo-Platte herausgebracht, als ich 20 war, wäre sie nicht so gut geworden. Ich musste mich entwickeln und die entsprechenden Erfahrungen sammeln, um mich mitteilen zu können. Darum habe ich das Album auch “My Thing” genannt. Ich war von da an sicher, was für eine Art von Musik ich machen will. Weil ich einfach „My Thing“ gefunden habe. Welche Erwartungen hattest du für die Platte? Ich dachte mir schon, dass es gut werden würde. Da die Band, in der ich zuvor spielte, mir sagte, dass sie es mögen. Somit hatte ich eine ungefähre Vorahnung, wie es bei den Leuten ankommen würde. Ein wesentlicher Grund war, dass mich Leute angesprochen und gefragt haben, wann ich endlich etwas alleine machen würde. Es motivierte mich zu wissen, dass es Leute gibt, die darauf gewartet haben. Aber ich hätte nie erwartet, dass es so dermaßen einschlagen würde. Empfindest Du eine gewisse Verantwortung, tiefgründige Musik zu kreieren? Ich glaube nicht, dass irgendjemand wirklich von mir erwartet, Etwas zu sagen, das Bedeutung hat. Ich versuche nur das niederzuschreiben, was ich fühle. Und wenn ich in der Stimmung bin, über gute Zeiten zu schreiben - oder umgekehrt, über etwas Ernsthaftes, dann tue ich es einfach. Meine Texte sind mir sehr wichtig. Aber ich weiß nicht, inwieweit das Publikum meinen Texten Beachtung schenkt, und wie wichtig es ihnen ist, was ich zu sagen habe. Ich schreibe sie einfach für mich und versuche so gute Musik zu machen wie möglich. Jeder kann sich frei fühlen zu entscheiden, ob er/sie meine Texte anhören oder einfach nur die Musik genießen möchte. Ich nehme mich in dieser Hinsicht selbst nicht so wichtig. Aber wovon ich überzeugt bin ist, dass auch eine wirklich simple Phrase in einem Pop-Song manchmal sehr viel bewegen kann. Der Begriff “Retro-Soul” taucht des Öfteren in Verbindung mit verschiedenen Finnischen Produzenten und Sängern auf. Wie ist dies aufgekommen? Zu allererst ist mir wichtig zu sagen, dass dies natürlich nicht nur eine Finnische Entwicklung ist, sondern ein internationaler Trend. Der moderne Soul ist einfach manchmal furchtbar mit diesem ganzen R’n’B “Bling Bling” Zeug wirkt es einfach unecht. Natürlich gibt es auch ein paar gute Künstler, aber bei dem was man die meiste Zeit im Radio hört oder bei MTV sieht geht es nicht um Musik sondern nur darum Geld zu machen. Daher sehnen sich die Leute wieder mehr nach guter alter Musik, die sich ehrlich und echt anhört. Und genau das versuchen viele Musiker gerade zu reproduzieren. In meinem Fall ist es so, dass ich diese Art von Musik selber höre, liebe und machen möchte. Wobei ich auch immer versuche, moderne Elemente mit einfließen zu lassen. Was können wir von deinem nächsten Album Dein nächstes Album “My Own private Sunday” erwarten? Ich hatte die Veröffentlichung für diesen Herbst geplant. Aber da ich keine Zeit hatte, ins Studio zu gehen, musste ich es verschieben. Zumindest in Finnland wird die Platte entweder Ende dieses Jahres oder Anfang nächsten Jahres erscheinen. Bisher habe ich ein paar Tracks, die ich bereits in der Session zum vorhergehenden Album aufgenommen hatte, wobei ich bei den meisten alle Instrumente selbst eingespielt habe. Auf diesem Album wird es mehr um Inhalte gehen. Es werden einige Songs dabei sein, die „soulful“ sind, aber auch einige, die ziemlich weit entfernt sind von dem, was wir unter Soul verstehen. Wenn ich jemanden nennen müsste, von dem Einflüsse wiederzufinden sein werden, würde ich Bob Dylan nennen. Es wird mehr in die Richtung Singer-Songwriter-Musik gehen. Hier und da wird aber sicher noch ein bisschen Jazz-Musik zu hören sein. Eines kann ich definitiv versprechen: Es wird weniger tanzbar sein!
Wer sich selbst von Tuomos Musik überzeugen möchte, kann sich auf seiner offiziellen MYSPACE Seite einen ersten Eindruck verschaffen.
hoch |
|